Vor etwa 2 Wochen habe ich meine Ledersofas gespendet. Bei FB hatte jemand gefragt, ob Möbelspenden für jugendliche Flüchtlinge aus Syrien möglich seien. Die Jungs sind 14-15 Jahre alt und wohnen in einer Wohnung, in der bis dahin nur 5 Betten und ein Tisch mit 5 Stühlen stand. Mehr Einrichtung war nicht möglich.
Nun ging mir schon seit mehreren Monaten eine Neuanschaffung bei meinen Sofas im Kopf herum und daher konnte ich diese ruhigen Gewissens anbieten, beide noch tadellos in Ordnung und auch chic. Ein neues hatte ich mir nach tagelangen Internetrecherchen schon ausgesucht. Farbe, Sitzhöhe, Lehnenform, Material und Sitztiefe stimmten - Treffer.
Termin mit den Abholern ausgemacht - Mitarbeiterin des Jugendamtes, die das ganze in ihrer Freizeit machte und ihr Mann plus Hänger.
Einziges Manko: Just an dem Tag bekam ich die Nachricht, dass es mein Wunschsofa nicht mehr gibt.
Egal, ich bin sowieso wenig zu Hause, wann nutze ich das Sofa schon mal? Bevor die Beiden jetzt umsonst die Strecke fahren - also weg damit.
Wieder an den Rechner gesetzt und gesucht. Samstags zu Ikea - blöde Idee übrigens, falls jemand fragen sollte. Aber nicht das Richtige dabei
Vom Auto aus einen Händler von E. Kleinanzeigen angerufen, der Einzelstücke inseriert hatte. Sah auf dem Foto ganz gut aus: sandfarben, Stoff, richtige Länge, mit Recamiere, chic
Für mich würde er noch im Laden warten, wann ich kommen würde?, meinte er.
"na gleich", meine Antwort, in völliger Unkenntnis der Route, wie sich dann herausstellte. Aber doch gefunden und etwas irritiert ausgestiegen. Ich stand vor einem ehemaligen Dorfgasthaus, nix drumherum, Tür verschlossen. Beim Gang um das Gebäude erschien aus einer Haustür ein Kopf, der mich fragte, ob ich für das Sofa gekommen sei?
Jaa?
Dann sollte ich zum Eingang kommen, er würde dort aufsperren.
Kurze Zeit später stand ich im ehemaligen Gastraum. Vollgestellter Raum mit Kartons, Möbeleinzelteilen und Dingen, die ich lieber nicht ganz so genau ansah. Der Verkäufer sehr freundlich, höflich und bemüht. Lieferung kein Problem, keine Anzahlung notwendig, nur 30 € für die Benzinkosten, ansonsten sei die Lieferung kostenlos. Okay, meinte meine innere Stimme, das hört sich doch mal an, als ob ich unverdient Glück gehabt hätte.
Das Sofa wollte ich aber doch noch mal sehen. Das stand nun in Einzelteilen noch verpackt vorne an. Aber den Stoff konnte man sehen und anfassen. Und da war sofort klar: Das will ich nicht! Nicht so einen Stoff, der macht mich nicht glücklich.
Vermutlich alle anderen Menschen auf diesem Planeten hätten das jetzt dem Verkäufer auch gesagt - aber ich? Nicht
Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn er war ja extra wegen mir hier. Also bin ich hinter ihm hergedackelt, als er mir für die 30 € eine Quittung geben wollte. In einen Raum mit Schrankwand, Schreibtisch, Fernseher und Couch. Auf der er offensichtlich geschlafen hatte - und ein freundlicher Labrador.
Mist! Jetzt hat der auch noch einen Hund, da kann ich doch nicht mehr Nein sagen? Damit hatte ich auch schon die 30 € gezahlt, meine Quittung dafür in der Hand und zugesagt meine Adresse per Whatsapp zu schicken.
Wieder im Auto nur ein Gedanke: Aber ich will doch das Sofa gar nicht. Wirklich wirklich nicht.
Aber meine Fähigkeit Nein zu sagen, war mal wieder abgetaucht.
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