Vor 10 Tagen war es hier "etwas glatt", also so, dass ich das auch ernst genommen habe. Wie in den letzten Monaten üblich, bin ich eine halbe Stunde früher als notwendig aufgestanden, damit ich genau diese halbe Stunde früher auch losfahren konnte.
Zur Erklärung: Seit 3 Monaten ist mein normaler Arbeitsweg gesperrt und ich muss über eine Strecke ausweichen, bei der ich teilweise 20-25 Minuten für einen Abschnitt brauche, der nur 1500 m lang ist. Da mich so etwas am frühen Morgen unnötig nervt, fahr ich halt früher los.
Ich bin also ganz ohne Zeitdruck los gefahren, alles in Ordnung, bis zu einer etwas kurvigeren Strecke, bei der ohnehin ein Tempolimit von 70 km/h gilt. Eingedenk meiner letzten, ähm, behördlichen Erinnerung an angemessene Geschwindigkeiten, fahre ich dort auch nur 70. An diesem Morgen sogar nur ca. 60 km/h.
In einer der Kurven kommt mir ein Autofahrer mit Fernlicht entgegen, also halb auf meiner Fahrspur, ich bremse an und dann - dann kreise ich schon über die Straße in den gegenüberliegenden Straßengraben, für einen kurzen Moment ziehen diverse Fluchwörter durch den Kopf, es wird dunkel, hell, dunkel und alles fliegt durchs Auto. Der Sicherheitsgurt drückt mich in den Sitz, erst nach vorn, dann nach unten, dann zur Beifahrerseite. Dabei pralle ich heftig auf das Gurtschloss, einer meiner Schuhe verabschiedet sich und dann ist es ruhig.
Irgendwie funktioniert man automatisch, zuerst die Warnblinkanlage an. Kurzer Check, ob irgendetwas am Körper nicht da ist, wo es hingehört? Nur die rechte Seite tut höllisch weh, ich liege unangenehm hart mit der Hüfte auf dme Gurtschloss. Also erst einmal weg da, Sicherheitsgurt ablegen, dabei mit Beinen und Armen irgendwo im Auto abstützen, damit ich danach nicht runterfalle.
Fast direkt höre ich Stimmen von Helfern, die zu mir klettern und fragen, ob alles in Ordnung ist. Naja, ich parke nicht so, wie es sich gehört? (aha, mein schlechter Sinn für Humor ist also auch noch da). Mein Auto meldet sich nervig piepend, wie immer wenn eine Tür offen ist oder das Licht noch brennt. Von außen greift eine Hand durch das kaputte Fenster und zieht den Schlüssel, während andere versuchen die Beifahrertür zu öffnen. Und weil Frauen sich ja generell auf das Wesentliche konzentrieren, versuche ich im Dunkel den Inhalt meiner Handtasche wieder einzusammeln. Denn da ist alles drin, was ich noch brauchen werde - Handy, Portemonnaie, Ausweise, Schlüssel, mein Frühstück ;-)
Inzwischen haben noch andere Fahrer angehalten und gemeinsam können sie die Tür öffnen. Nach einer etwas merkwürdigen gymnastischen Verrenkung kann ich mit ihrer Hilfe über die Kopfstützen nach oben durch die Beifahrertür klettern. Meine Schuhe hatte auch jemand gefunden und so muss ich nur kurz in Strümpfen im Graben stehen. Jemand zieht mir meine Warnweste an, merkwürdigerweise ist ausgerechnet die wohl aus der kaputten Heckscheibe nach draußen gefallen.
Während wir auf Polizei und Rettungswagen warten, versuche ich mich die ganze Zeit bei den Helfern zu bedanken. Ich finde es noch jetzt unglaublich, wie selbstverständlich so viele Leute angehalten und geholfen haben. Ich habe Glück gehabt an dem Tag.
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