Samstag, 10. Juni 2023

Wenn Wünsche sich erfüllen

 






Es sind nur ein Tage, aber es hat sich viel getan.

Das erste Treffen mit dem Abteilungsleiter meiner neuen Einsatzstelle. Freundlich,  sympathisch, effizient - sie hören vielleicht schon das "aber"?

Aber nicht mein Typ. Also als Chef. Dazu muss man wissen, dass er sich mich nicht aussuchen konnte. Und das merkt man der Körpersprache an. Während unserer Unterhaltung, in der er mir jeden Schulungswunsch erfüllt und sichtlich Arbeit in die Vorbereitung meiner Einarbeitung gesteckt hat, sitzt er die ganze Zeit mit der Körperseite zu mir, spricht immer leicht seitlich an mir vorbei. Hinter dem Schreibtisch bildet sein Körper eine deutliche Mauer, wendet er seine Vorderseite mir nicht zu. Aber gut, dann muss ich ihn eben überzeugen. An einigen Stellen ist er deutlich positiv über meine Vorkenntnisse überrascht, meine Vorarbeit, Informations- und Lernbereitschaft. Ich habe für die ersten Seminare meinen Urlaub gestrichen und bin bereit neben meiner Arbeit in der alten Abteilung Überstunden für das Selbststudium zu machen. Denn dort ist man nicht bereit, mich früher abzugeben. Auch nicht innerhalb der Firma.

Gleichzeitig bleibt das Bewusstsein, dass ich evt. doch absage, wenn ich die Zusage aus der anderen Stadt bekomme. 

Die erste Schulung soll an diesem Freitag sein, Skype. Daher habe ich einen Tag Urlaub genommen und bereite mich anhand der Unterlagen schon einmal vor. 

Bis mir plötzlich einfällt, dass ich Ende des Monats auch noch eine Woche Urlaub haben werde, genau dann, wenn die Entscheidung in der anderen Stadt fällt. Damit würde ich evt. an dem Tag, an dem ich aus dem Urlaub komme, in der neuen Abteilung anfange, etwas im Computer von der anderen Stadt erfahren. Hört sich nicht ganz so optimal an, also skype ich die Personalerin in der anderen Stadt an und will das kurz mit der Erreichbarkeit klären.
Die ist positiv überrascht und teilt mir inoffiziell mit, dass ich die Stelle bekomme. Muss aber erst noch mit einem Gremium offiziell besiegelt werden, daher soll ich noch nichts sagen. Ok ....halte ich mich dran.


Das war gestern. Heute skypt mich der Personaler des hiesigen Standortes an. Er sei aus der anderen Stadt angeschrieben worden, wegen der Versetzung nach dort. Ob er etwas wissen müsse?

Das ist der Mann, dem ich für die hiesige Stelle zugesagt hatte. Daher werde ich etwas kurzatmig beim Lesen dieser Frage, obwohl ich wusste, dass das kommen würde, wenn ich davon erzählen würde. Diverse Kollegen hatten mir versichert, dass es vielleicht keine Freudensprünge hervorrufen würde, aber dass dies relativ normal in der Firma ist. Trotzdem - das ist eigentlich nicht mein Stil.

Und: ich hatte nicht damit gerechnet, dass man in der anderen Stadt so schnell reagieren würde.

Bevor ich es mir anders überlege, rufe ich ihn direkt an. Erkläre, dass ich ihm das lieber selbst gesagt hätte, aber selber keine Ahnung hatte, dass dort bereits alles offiziell ist. Verständlicherweise ist er kein großer Fan von mir geworden...
Dem Abteilungsleiter sage ich selber ab, ich finde, das gehört sich. Als ich von der unbefristeten Stelle erzähle, hat er Verständnis und 5 Minuten später erhalte ich vom Buchungstool auch schon die Absagemails der gebuchten Seminare, Ok, das war weniger schlimm, als ich gedacht hatte, nur mein schlechtes Gewissen pocht noch mal an.

Als ich die inoffizielle Zusage erhalten hatte, fiel erst einmal ein ziemlich großer Druck von mir ab. Danach habe ich Ihm darüber gemailt und auch direkt eine Nachricht bekommen, dass er sich für mich freut.

Und da fängt der kleine Kopf der Miss an zu arbeiten. Keine Freude darüber, dass wir näher aneinander sind. Hm
Hat er doch Vorbehalte, ist nicht begeistert davon, hätte lieber die Distanz gewahrt? 
Das setzt sich in den Gedanken fest und ich frage ihn bei unserem nächsten Telefonat

Als ich am nächsten Tag vom Büro nach Hause fahre, habe ich wieder Zeit nachzudenken und merke plötzlich, dass ich diejenige bin, die Zweifel hat, unsicher ist. Bin ich die Richtige für den Job, ist es das Richtige, so nah beieinander zu sein. Und so dämmert mir langsam die Erkenntnis, dass ich mit meinen Zweifeln an Ihm unter Umständen versuche, die Sache selber zu sabotieren. So, wie ich das schon einmal in einer Beziehung versucht habe. Und als mir das damals auf den Kopf zugesagt wurde, nur darüber staunen konnte, wie gut mich jemand kennt und meine Motive erkennt. Besser als ich selber. 

Sollte ich dran arbeiten oder? 


Und aufpassen, was ich mir wünsche, denn es könnte in Erfüllung gehen







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen