Eine spannende und erholsame Woche an der Nordsee liegt hinter mir. Nach etwa 7 Jahren habe ich meine Schwester wieder gesehen . Wir hatten zwischenzeitlich sporadisch Kontakt, haben telefoniert oder über Whatsapp kommuniziert. Und so haben wir uns begleitet bei ihrer Scheidung, meiner OP, unseren Umzügen und allen wesentlichen Schicksalspunkten. Wie das bei Familie so ist, wenn man nicht ganz so eng miteinander ist.
Jetzt hatte ich das erste Mal seit ungefähr 25 Jahren Urlaub. Also "richtigen" Urlaub. Kein Seminar, keine Fahrt zu einer Hundeprüfung, Veranstaltung oder ähnlichem. Nur ich und das Meer.
Vorab hatte ich mir tatsächlich Gedanken gemacht, was ich die ganze Zeit anstellen sollte. Meine Schwester und ich hatten einmal überlegt, dass ich in ihrem Gästezimmer schlafe, aber vorsichtshalber habe ich mir lieber eine Ferienwohnung gebucht. Richtige Entscheidung übrigens.
Meine Vermutung war, dass wir uns in der Woche vielleicht so zwei Abende sehen, weil ich ihre Reaktion auf meine Urlaubsplanungen nicht besonders enthusiastisch empfunden hatte. Daher war ich überrascht, dass sie direkt für Freitag Abend ein Treffen vereinbarte. Und auch in der restlichen Zeit haben wir uns jeden Tag gesehen.
Es hat gedauert, bis wir uns näher gekommen sind. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis vor ein paar Jahren, war mir körperlicher Kontakt mit anderen Menschen unangenehm. Also ein Umarmen oder eine Hand auf meinem Arm. Dem bin ich ausgewichen, so gut ich konnte. Und das konnte ich gut. Wegdrehen, kurz unauffällig nach hinten gehen, beiläufig etwas aufheben - Hauptsache aus der Situation raus. Zwischenzeitlich habe ich gelernt das zu können und bei den richtigen Menschen auch zu genießen. Mittlerweile kann ich das selber - also Menschen umarmen. Ich finde, das war ein großer Schritt für mich, eine Entwicklung, auf die ich stolz bin.
Und nun sehe ich meine Schwester, die dasselbe macht, wie ich früher. Die unauffällig dafür sorgt, dass sie keiner umarmt. Daher kündige ich ihr einen Tag später an, dass ich das tun werde, sie umarmen. Und sehe in ihrem Gesicht, dass sie es zulässt, aber nicht mehr. Sehe sie wie mein Spiegelbild vor ein paar Jahren. Das beschäftigt meine Gedanken in den nächsten Tagen. Wie sehr unsere Kindheit uns einen gemeinsamen Stempel aufgedrückt hat. Den ich besser erkenne, wenn ich sie ansehe, weil ich es dann mit einer gewissen Distanz tun kann. Es ist nicht so schmerzhaft nah, als wenn ich mich selber ansehe. Wir haben einiges gemeinsam, dass mich immer noch beeinflusst. Einiges konnte ich hinter mir lassen. Etwas, dass mich lächeln lässt.
Am Ende der Woche ist es übrigens meine Schwester, die mich überraschend mit einer Umarmung verabschiedet. Und ich kann es schön finden.
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