Seit August 2023 wohne ich nun in der großen Stadt. Damals war es ein beinah unmögliches Unterfangen hier eine Wohnung zu bekommen.
Zugegeben, ich war da auch etwas verwöhnt. Was ich aber damals nicht wusste.
Mitten auf dem Land wohnen, 65 m², 360 € incl. Strom, Heizung, Wasser etc. Nun gut, es war "etwas" abgelegen. Aber für Hundemenschen genau richtig.
Nun hatte sich zwischenzeitlich einiges getan und ich wollte nun in die große Stadt. Und so lebensuntüchtig bin ich ja gar nicht. Daher also auch bereit auf Terasse, unabgeschlossene Haustüren und Vögelgesang am Morgen zu verzichten. Natürlich würde ich auch "etwas" mehr zahlen müssen. Auf Grund der anstehenden Gehaltserhöhung konnten das ruhig 100% mehr sein. Also bis zu 700 € warm wäre völlig okay. Und damit sollte ich in einer guten Gegend doch sicher so 60m² bekommen können. Schließlich gab es einen sicheren Arbeitgeber im Hintergrund und bei Bedarf kann ich einen grundsoliden Eindruck hinterlassen. Also wenn ich mich anstrenge.
Insgesamt also: Leichtes Unterfangen.
Böses Erwachen. Schon die ersten Suchversuche auf den bekannten Portalen ähnelten einem Realitätsschock wie ein Aufprall bei einem Fall aus dem 10. Stock. Himmel, was war da los. 20 m² für 800 € kalt. Und ich manche Gegenden möchte man als Frau nun auch nicht unbedingt ziehen.
Aus mir unerfindlichen Gründen, war ich dann doch mal dran mit der Glücksfee (wenn es schon beim Lotto nie klappt). Über Ebay Kleinanzeigen habe ich meine jetzige Wohnung gefunden. Zur Untermiete für zunächst 1 Jahr. Der eigentliche Mieter hat ein Haus in Thailand und möchte dort ganzjährig leben, die Wohnung in der großen Stadt aber nicht aufgeben. Und wenn alles gut läuft, könnte ich die Wohnung auch ganz übernehmen. Kosten: 1300 € warm für 68 m². Ein Glücksgriff, vor allem bei der Lage:
Ein toller Ausblick auf die Elbe. Wobei ich den Blick durch die Eingangshalle gegenüber besonders mag. Es ist wie ein Bilderrahmen, durch den ich die Elbe, Fähren, Container- oder Kreuzfahrtschiffe sehen kann. Gerade auch am Abend wunderhübsch.
Als mein Vermieter mir im Mai mitteilte, dass er wirklich nie wieder in Hamburg leben wollte, war ich dem entsprechend begeistert. Mein Arbeitsweg mit dem ÖPNV sind ca. 22 Minuten, also ganz easy. Einkaufen, hier mal in der Bar an der Ecke in der Sonne sitzen. Ich fühle mich wohl hier.
Dem geneigten Leser wird nun langsam ein unheildrohendes "Aber" im Hinterkopf aufblinken.
Leider zu Recht.
Im November war mein Vermieter bei Freunden zu Gast, weil er zwei Ops hier in D terminiert hatte. Ging auch alles gut, nur zwei Tage vor dem Heimflug erlitt er einen Herzinfarkt. Nachdem er erfolgreich operiert wurde, hat er mir am zweiten Weihnachtsfeiertag dann leider doch die Kündigung geben müssen. Er muss in der großen Stadt bleiben, darf nicht zurück nach Thailand.
Seitdem suche ich wieder - und es ist noch irrer geworden. Für 17m² werden 900 € verlangt und das ist nicht die allerbeste Lage oder ein Luxusheim. Ganz abgesehen davon, dass man auch da erst einmal einen Besichtigungstermin bekommen muss. Es ist beängstigend, dass sich so gar nichts tut.
Der Liebste ist da mein Fels, er ist sicher, wir schaffen das.
Aber mir brennt der Boden unter den Füßen.
Ganz abgesehen von den Kosten. Als ich in diese Wohnung gezogen bin, habe ich geschätzt 80% meine Wohnungseinrichtung weg gegeben oder in den Sperrmüll getan. Einerseits weil es kurz vorher in der alten Wohnung noch einen Wasserschaden gab und vor allem, weil diese Wohnung ja komplett ausgestattet ist.
Nun muss ich nicht nur auf einem quasi nicht existenten Wohnungsmarkt (also für meine finanziellen Verhältnisse) eine Unterkunft finden sondern auch noch ordentlich Geld in die Hand nehmen für Bett, Tisch und Stühle usw. So ganz fürchterlich begeistert bin ich momentan nicht.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen