Dienstag, 28. November 2017

Die, die auf den Herd starrt

Machen Sie sich keine Sorgen, hier werden jetzt keine aufregenden Rezeptideen geteilt. Hier definitiv nicht. Ich bin immer froh, wenn Menschen die mir lieb und teuer sind, meine Essenseinladungen heil an Geist und Körper überstehen. 

Es geht um einen Tick, den ich selber lästig fand, aber schwer los wurde. Über Jahre hinweg konnte der geneigte Zuschauer mich jeden Abend vor meinem Herd beobachten. Mit dem Gesicht knapp 2 cm vor dem Herd, habe ich die Herdknöpfe angestarrt. Habe mich vergewissert, dass der Herd wirklich ausgeschaltet ist, dass alle Knöpfe auf Nullstellung stehen, dass die kleinen Erhebungen an den Drehschaltern wirklich alle oben stehen. Teilweise auch noch auf die Herdplatten gefasst, um ganz sicher zu sein, dass die wirklich kalt sind. Und war dabei, trotz der vorherigen Knopfkontrolle, immer darauf gefasst, dass sie doch heiß sein könnten.

Hört sich im ersten Moment vielleicht nur etwas skurril und dann lustig an, ist aber auf Dauer anstrengend. An diesem Herd einfach vorbei ins Schlafzimmer zu gehen und schlafen zu gehen, war mir schlicht nicht möglich. Ich musste vorher noch einmal nachsehen und alles quasi hypnotisieren. Ganz blöd lief es, wenn ich mir nach 5 Minuten im Bett noch einmal die Frage stellte, ob ich auch ganz sicher war, dass ich nachgesehen hatte. Blöde Frage, denn schließlich hatte ich kurz vorher 3 Minuten meditierend vor dem Herd verbracht. Half leider nichts sich von der Unsinnigkeit überzeugen zu wollen, ich bekam keine Ruhe, wenn ich nicht noch einmal nachsah, ob auch wirklich ... na, Sie wissen schon.

Der Moment, dass ich wusste, dass ich ernsthaft daran arbeiten muss, war gekommen, als sich diese Angst vor einem Brand, ausgelöst durch den Herd, ausweitete auf Elektrogeräte. Als ich mich selber dabei ertappte, dass ich anfing Stecker aus den Steckdosen zu nehmen und noch einmal hoch zu nehmen, um sicher zu sein, dass sie wirklich ausgesteckt sind, habe ich mich hingesetzt und überlegt. 
Auf keinen Fall wollte ich mich immer mehr da rein reiten.

Und ich merkte, dass ich das nur machte, weil ich etwas potentiell Gefährliches kontrollieren wollte. Dabei ging es gar nicht um den Herd, sondern um die Dinge, die ich nie unter Kontrolle haben werde, die mir Angst machen. Leben lässt sich nicht komplett vorhersehen oder kontrollieren. Aber ich wollte gewappnet sein, bereit auf alles zu reagieren, wollte Pläne vorbereiten, mich nicht kalt erwischen lassen.
Und das klappt nicht, hat es bei mir noch nie.
Und dann wurde mir klar, dass ich es bislang immer noch irgendwie geschafft habe, mit *dem Schicksal* fertig zu werden. Dass ich das bis hierher geschafft hatte, war eine Überraschung. Und gab mir plötzlich die Ruhe, mit der abendlichen Kontrolle aufzuhören. Einfach so. 
Weil ich andere Sache auch schon geschafft und überlebt habe.


2 Kommentare:

  1. komm....wir machen uns beide mal etwas locker.....schüttelshake....
    https://www.youtube.com/watch?v=rK0PcbFnFws

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