Freitag, 17. November 2017

Mitgebrachte Männer im Supermarkt

Ich versuche möglichst ohne Zeitstress einkaufen zu gehen, weil ich irgendwann einmal für mich entschieden habe, dass ich nicht zu einer Kundin werden möchte, die mit verkniffenem Kampfgesicht in den Einkaufskrieg zieht.

Daher warte ich auch mal 10 Minuten, bis der der passende Parkplatz frei wird, lasse anderen an den strategischen Regalkreuzungen den Vortritt oder lasse andere an der Kasse gerne vor.
Und kann entspannt lächeln dabei. Ist also nicht besonders sozial gemeint, sondern einfach gut für mich.

Auch gut sind die Beobachtungen die man machen kann, wenn man etwas Zeit und Laune dafür hat. Eine der interessantesten Gruppen sind die vergesellschafteten Männer im Mitbringalter. Meint: Männer knapp vor oder nach dem Rentenalter, die von ihrer *begeisterten* Ehefrau mit in den Supermarkt gebracht wurden.

Meist nicht ganz freiwillig - also von der Frauenseite her. Denn diese haben es in den letzten Jahren durchaus geschafft den Einkauf selbstständig und erfolgreich zu bewältigen. Mit der Ruhe ist es aber vorbei, wenn der Mann mit zu viel Zeit gesegnet ist und nun beschließt mitzukommen.

Da gibt es einmal den Typ *Rockzipfel* der sich während der gesamten Fahrt durch den Supermarkt am Einkaufswagen festhält. Meistens an der hinteren Ecke, die er vertrauensvoll umklammert und erst dann gezwungenermaßen wieder los lässt, wenn der Wagen draußen zu den anderen Wagen gestellt wird. Ansonsten erträgt er klaglos auch längere Einkaufstouren und trottet halt so mit. Voller Vertrauen, dass er nicht ausgesetzt wird, da er ja den Wagen nicht aus den Augen lässt.

Ganz anders der kleine *Nöhler*, der seine Frau während der gehetzten Flucht durch den Markt die ganze Zeit annöhlt, wann man denn endlich zur Kasse geht. Kleinkinder bringen dazu im Gegensatz größere Geduld mit, aber die kann man ja auch mit dem Versprechen auf ein Eis, bei gutem Benehmen, still kriegen. Zeit spielt übrigens gar keine Rolle mehr, wenn der Nöhler auf dem Aktionstisch plötzlich den Laubpuster seines Lebens entdeckt und in der nächsten halben Stunde die Kartonbedruckung auswendig lernt.

*Napoleon* hingegen hat hier endlich endlich mal wieder Gelegenheit zu zeigen, zu welchen Leistungen ein großer Geist fähig ist. Im trauten Heim hat er nur wenig Zuschauer, aber im Supermarkt können auch andere Menschen dabei sein, wenn er strategisch seinen Eroberungszug durch die Gänge antritt. Schon auf dem Parkplatz hat er klar gemacht, wer hier das Sagen hat und mit seinem SUV direkt zwei Parkplätze blockiert. "Platz da, hier kommt der ehemalige stellvertretende Abteilungsleiter!" Und so, wie er bis vor 3 Monaten seine Untergebenen in der Firma herum kommandiert hat, lässt er nun seine genervte Ehefrau rennen. Mitten im Gang stehend schickt er die arme Frau mit knappen Kommandos *Kaffee, die grüne Packung!" auf die Mission. Immer bereit den ein oder anderen unfreiwilligen Zuhörer Beifall heischend anzusehen.
Kaum einer kauft so chaotisch ein, aber wenn die Frau das mit macht....

Heute dann ein neues Exemplar für die Sammlung. Vielleicht kann ja jemand schon anhand des Exterieurs darauf schließen, welcher Typ Mann das war. Ich bin erst auf dem Parkplatz ganz sicher gewesen, als ich das Auto sah.
Der Herr hatte den typischen Bierbauch eines Sofasportlers, dazu Baumwollhosen in Camouflage, mit Sportschuhen. Kurzer militärischer Haarschnitt.
Kurz vor der Kasse tauchte er mit seiner Frau in meinem Blickfeld auf und fiel mir auf, weil er sehr seltsam mit seiner Frau umging. Sie schaute sich die üblichen Blumen vor der Kasse an und wurde erst mit einem harschen Kopfnicken und dann mit einem knappen "Hierhin!" an seine Seite befohlen. Und während er sich in der Kassenschlange vorschummelte, hatte sie sich noch einmal abgesetzt, weil wohl noch Brot fehlte. Und dann kam es wieder, ein donnerndes "Hierher!" Dem sie tatsächlich auch noch Folge leistete. Mir entgleisten etwas die Gesichtszüge.
Auf dem Parkplatz dann zumindest die Auflösung, woher er den Kommandoton wohl hatte: Auf dem Auto prangte der Aufkleber eines Schäferhundsportvereins.
Die Kommunikation scheint sich für ihn als passend heraus gestellt zu haben. Keine Ahnung, wie das Paar das am Abend handhabt.

Kommentare:

  1. Vielleicht war die Frau mal ein Hund oder wäre gern einer.

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    1. Einen kurzen Moment habe ich diese Möglichkeit auch in Betracht gezogen. Allerdings zeigte ihr Gesicht weder Freude noch Vorfreude. Daher bin ich von dieser Lösung wieder abgekommen

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  2. Großartiger post! Habe meine eigenen Beobachtungen sehr bestätigt gefühlt - mein Highlight am Montagmorgen, danke :-).

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    1. Es freut mich, dass gerade ein Montagmorgen dadurch erhellt werden konnte. Und dieser Montag war, zumindest bei uns, wieder einmal grässlich nebelig und duster

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  3. Ein derartiges männliches Einkaufsverhalten ist mir hier so ehrlich gesagt noch nicht aufgefallen. Was nicht heißt, dass es das nicht gibt - ich achte halt nur nicht drauf. ;) Was mir allerdings öfter auffällt, sind Paare (Alter egal, die gibt's in jeder Altersstufe), die sich beim Einkaufen so angranteln, dass ich mich frage, wie bösartig die erst in den eigenen vier Wänden miteinander umgehen. Mit kleinen Macken und Verhaltensoriginalitäten habe ich keine Probleme - die machen die Menschen erst liebenswert und einzigartig und von mir aus soll der kleine Napoleon eben seinen großen Auftritt im Supermarkt haben. Diese Zickereien allerdings, in denen es nur ums Rechthaben geht oder darum, den anderen in der Öffentlichkeit bloßzustellen, die kann ich nicht haben. Erschreckend, wie Menschen miteinander umgehen können, die sich (vermutlich) mal geliebt oder wenigstens gemocht haben.

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    1. Ich weiß, was Du meinst. Und es wird einem selbst als Außenstehendem davon sehr kalt.
      Mich beschäftigt dann die Frage, warum sich diese Menschen nicht trennen und glücklicher leben? Die Antworten, die mir dazu einfallen, sind für mich nicht überzeugend: Gewohnheit, Abstumpfung, Geld, Angst vor dem Alleinsein?

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    2. Aber klar können das überzeugende Antworten für jemanden sein. Nicht für dich, aber für die Personen, die sich (vorerst) mit der jeweiligen Antwort zufriedengeben schon. ;)

      Ich packe noch "Hoffnung" als Antwort dazu -Hoffnung, dass sich irgendwas ändert. Und das "Verharren in der Beziehung, bis sich eine bessere findet" - wobei das wohl eher unter Angst vor dem Alleinsein läuft...

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