Montag, 27. November 2017

Kleines Dilemma

Weil mich der heutige Tag gerade daran erinnert:
Wie andere unvorsichtige Menschen auch, bin ich Mitglied in einem Verein. Und da ich ja nie die Klappe halten kann, geschweige denn Nein sagen, habe ich im Lauf der Zeit auch das ein oder andere Ehrenamt übernommen. 
Vor ein paar Jahren hatten wir den Vorsitz einer Regionalgruppe übernommen, *wir*, das waren meine beste Freundin als V1, ihr Schwiegervater als Finanzminister und noch eine Freundin als Protokollführerin.
Es lief toll, die Zwistigkeiten, die sonst in einem Vorstand vorkommen, waren uns fremd. Wir haben fast jedes Wochenende bei dem Schwiegervater im Wochenendhaus verbracht, hatten irre viel Spaß, fühlten uns einfach zusammen gehörig. Konnten viel organisieren und den Mitgliedern helfen.

Und dann kam das *aber*.
Aber, es kam immer öfter vor, dass uns ehrenamtliche Helfer auf die Begleichung von Rechnungen ansprachen. Das ungewöhnlich lange Zeitspannen zwischen der Zusage von Überweisungen und dem Eintreffen auf den Konten verstrichen.
Nun ja, der Schwiegervater hatte gerade sehr viel mit dem Hausumbau zu tun, Krankheiten und der Postweg. Alles plausibel. Und dennoch

Als es schließlich richtig krachte, kam noch das Ehe-Aus zwischen meiner besten Freundin und ihrem Ehemann dazu. Er hatte seine Firma in den Konkurs gebracht, wollte aber nicht erzählen, wo das Geld geblieben war. Sie hat in diesen Wochen mit ihren Kindern bei mir gewohnt und wir waren froh, dass wir reden konnten. Eine Lösung finden, einen Ausweg, dass sie als Miteigentümerin irgendwie noch Geld für den Lebensunterhalt zusammen bekam.
Und dann der Tag, an dem ihr Schwiegervater zugab, dass er das gesamte Vereinskonto leer geräumt hätte. Und dem restlichen Vorstand dabei direkt einen Vertrag vorlegte, in dem wir hätten unterschreiben sollen, dass wir ihm das Geld geliehen hätten. Er wollte zurück zahlen, wann und wie, wusste er noch nicht. Dabei keine Entschuldigung oder das Gefühl, dass er das als Unrecht angesehen hätte. Nur sein Ärger, dass er doch noch zugeben musste, dass das Geld weg war.
Kein Gedanke an seine Schwiegertochter, die als V1 dafür haftbar gemacht werden konnte. 

Ihre Unfähigkeit zu entscheiden, wenn sie jetzt reinreiten sollte, sich selbst oder den Opa ihrer Kinder. Und meine Entscheidung, dass wir jetzt diesen Vertrag nicht unterschreiben, sondern ihn zwingen, sich selber beim Bundesvorsitzenden zu melden und die Unterschlagung zu melden. Damit er nicht angezeigt wird. Damit seine Schwiegertochter nicht in den Verdacht gerät beteiligt gewesen zu sein, weil sie selber in Geldnot steckte. Oder ihn sogar angestiftet hätte.

Wie sich später herausstellte, hatte der Schwiegervater das Geld für seinen Sohn entwendet. Weil der spielsüchtig war und so auch schon seine Firma an die Wand gefahren hatte. Das alles hat eine Ehe, eine Enkel-Opa Beziehung und auch unsere Freundschaft gekostet.

Und heute füllen andere diese Stellen aus, Menschen mit denen ich befreundet bin, von denen ich weiß, dass sie privat ganz schön zu knabbern haben. Und die Vereinsarbeit auch als Ablenkung brauchen.
Und höre heute, dass Rechnungen seit März noch nicht beglichen sind.
Und es wird mir mulmig und ich will dieses Mal nicht mit hinein gezogen werden. 


Kommentare:

  1. Das ist aber schon mehr als ein kleines Dilemma.
    Hoffentlich geht es diesmal glimpfliger aus!

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  2. Das hoffe ich auch. Denn ansonsten gehen hier unweigerlich wieder Freundschaften zu Bruch. Mal schauen, was die nächsten 2 Wochen so bringen

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  3. "Geld verdirbt den Charakter, heißt es.
    Keineswegs wäre es aber so, dass ein MANGEL an ihm
    ihn besser machen würde."

    Bin mir nicht sicher, tippe aber auf Oscar Wilde
    Und ich war auch schon mal auf der Täter-Seite, habe also
    keine andere Wahl, als nachsichtig mit solchen Menschen zu sein, will ich Härte gegen meine eigene Person vermeiden.

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