Montag, 30. Oktober 2017

Kaminfeuer 2

Keine Metapher, keine Allegorie

Ganz simpel: Hier ist es kalt

Seit Samstag funktioniert die Heizung im ganzen Haus und den Nebengebäuden nicht, kein Öl mehr. Kann mal passieren, ist aber leider in den 4 Jahren, die ich hier wohne, mindestens das 10. Mal. So ganz langsam fängt es an mich zu nerven und so etwas dauert bei mir meist. Hinzu kommen die teilweise tagelangen Heizungsausfälle wegen *kaputt*. So wohl auch jetzt, denn das Öl wurde heute Mittag geliefert, leider weiß von meinen Heizkörpern nur der im Arbeitszimmer etwas davon. Beschwerdeführer werde ich wohl alleine sein, denn zwei Wohnungen stehen noch leer und die Mieterin über mir hat gar keinen Kontakt zur Vermieterin mehr, seit dem die beiden sich nun 6 Monate über die fristlose Kündigung vor Gericht streiten. Die wird auf gar keinen Fall die Vermieterin ansprechen.

Besonders übel nehme ich den Wärmeverlust im Bad, bei schnuckeligen 17 Grad macht es da drin keinen Spaß und außerdem läuft natürlich auch das heiße Wasser über die Heizung. Waschen Sie sich bei solchen Bedingungen mal lange Haare - extrem unangenehm kühl.

Bleibt mein Entwicklungsprojekt Kaminfeuer. Ich habe rigoros alles an Umweltbedenken beiseite geschoben, dass zwischen mir und einem warmen Feuer stand und habe die gesamte Wochenlieferung an kostenlosen Wochenblättchen durch den Kamin gejagt. Damit das Holz endlich anfängt zu brennen. Schließlich bekomme ich jede Woche 6 Exemplare (Mittwoch und Samstag je 1 und Sonntag dann 4 verschiedene) dieser werbelastigen Druckerzeugnisse und schleppe den ganzen Segen sonst immer zum Altpapier. 

Projekt Fire Blast: 
chemische Anzünder - ✔
2 Raummeter Altpapier - ✔
teuer gekauftes Anmachholz in ausgefeilter Pyramidenformation - ✔
Hand abgewogenes Feuerholz zum weiteren Anfeuern, trocken gepustet - ✔
ausgesuchte größere Holzscheite, Marke *Eiche 60 € das Scheit* - ✔
Feuerzeug vom Discounter - ✔

Und siehe da, es brennt lichterloh, nur leider nur 30 Minuten. Danach müsste ich eigentlich im Dunkeln wieder in den Holzschuppen klettern und Nachschub holen. Werde ich aber bleiben lassen, weil es wie gesagt bereits dunkel ist, die Blagen Kinder meiner Vermieterin das Holz so abgebaut haben, dass eine circa 2 m hohe Holzscheitwand nun überhängt und den nächsten Holzsammler zu erschlagen droht und außerdem das Kaminfeuer immer noch nicht mein Problem mit der Badezimmertemperatur löst. 

Hilft nur: Morgen meine Vermieterin auf die Heizung noch mal ansprechen (hatten wir diese Woche ja erst 3 Mal)
Und trotz schlechtem Gewissen die Elektroheizung anwerfen.
Schlechtes Gewissen weil: Miete ist hier all inclusive, also auch Strom. Und das Biest frisst ordentlich Strom, das wird für meine Vermieterin richtig teuer. Und muss ja eigentlich nicht sein.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Über zwei wundervolle Menschen

Egal wie ich es schreibe, es wird ihnen nicht gerecht werden. Nino und Mariella

Nino ist ein Sohn italienischer Einwanderer, der in Deutschland geboren wurde und sich mit viel Ehrgeiz von einer Lehre als Schlosser über ein Studium bis zum Prokuristen einer großen Firma gearbeitet hat. Und dabei glücklicherweise nie seinen Humor und seine Herzlichkeit verloren hat.

Mariella wurde als zweite Tochter eines soliden Beamtenpaares im Rheinland geboren, behütet und konservativ erzogen. Wie bei der älteren Schwester stand schon vor dem Abitur fest, dass sie auch einmal in den Beamtenstand als Lehrerin eintreten würde. Und erreichte dies mit Intelligenz und Zielstrebigkeit auch schnell. Dabei wurde ihre große Empathie für die Menschen um sie herum immer sichtbarer und sie hat die Gabe, dass andere sich in ihrer Nähe als bessere Menschen fühlen.

Dass sich der Lebensweg dieser beiden treffen würde, war nicht sehr wahrscheinlich. Aber glücklicherweise lernten sich die beiden über den gemeinsamen Freund der älteren Schwester von Mariella kennen. Und da trafen dann italienisches Temperament, etwas Machismo und südliche Lebensart auf nordische Zielstrebigkeit, weibliches Selbstbewusstsein und konservative Werte aufeinander. Verliebten und stritten sich in trauter Einigkeit. Eine bemerkenswerte Mischung, die viel Potential aus der Menschenliebe der beiden schöpfte und aus einer großen Empathie. Beide wuchsen sichtbar an den Unterschieden.

Und einer der wunderbarsten Zufälle meines Lebens führte dazu, dass ich die beiden kennen lernte, als ich etwa 16 Jahre alt war. Sie konnten selber keine Kinder bekommen und hatten zwei Hunde, mit denen ich stundenlang über die rheinischen Feldwege zog, glücklich von zu Hause weg zu sein.

Im Laufe der Zeit blieb es nicht aus, dass die beiden einige Details aus meiner Familie mit bekamen und handelten. Sie haben mich nie mit Fragen bedrängt, aber es wurde immer klarer, dass sie zu mir standen und still halfen. Ich muss ihnen oft viele Stunden gestohlen haben, denn bald hielt ich mich sehr oft bei ihnen auf und hütete ihr Haus wochenlang, wenn sie im Italienurlaub waren. Jedenfalls so lange, bis sie mich mit in den Urlaub nahmen. Wundervolle, entspannte Wochen ohne den Druck durch meinen Stiefvater, ohne nächtliche Elternstreitigkeiten und ohne dauernd aufpassen zu müssen, wer mich beobachtet.

Mit der Zeit konnte ich es glauben, wenn sie etwas Positives über mich sagten und suchte nicht mehr nach versteckten Angriffen. Irgendwann habe ich dann begriffen, dass sie mich wirklich gern hatten. Und ich konnte mir sicher sein, dass sie mir die Wahrheit sagten. Auch wenn sie nicht immer nur angenehmes zu sagen hatten, war der Grundtenor immer geprägt von Empathie und Zuneigung. 
Ich wünsche mir oft, dass ich einmal so werde wie sie. Ich habe sie einfach sehr lieb und bin verdammt dankbar



Mittwoch, 25. Oktober 2017

Kein Kinderwunsch

Wieder einmal eines dieser Gespräche, bei dem ich schon von Anfang an weiß, dass es vorhersehbar ablaufen wird.

Eine Freundin, die sich erst spät ihren Kinderwunsch erfüllen konnte, ist seitdem missionarisch unterwegs. Ihrer Meinung nach ist jede Frau von einem geheimen Kinderwunsch erfüllt, der nur danach dürstet ins Tageslicht zu treten.

Nun habe/hatte ich aber nie den Wunsch nach eigenen Kindern. Wenn jemand anders gerne möchte, bitte, ich werde da nicht drein reden. Aber es wäre hübsch, wenn es anders herum auch gelten würde.

Kennen Sie jemand, dem offen gesagt wird, warum er denn um Gottes Willen unbedingt Kinder haben möchte? So etwas gehört wohl zu ungeschriebenen Gesetzen, dass man dies ggf. nur denkt, aber bitte so höflich ist, es nicht auszusprechen.

Ganz im Gegenteil zu den Menschen ohne Kinderwunsch. Wie oft ich schon mit denselben Menschen dasselbe Thema besprochen habe. Aber irgendwie wird mein *Nein* zu eigenen Kindern nicht ernst genommen und komplett ignoriert. Meist kommt die Frage nach den eigenen Kindern dann, wenn ich gerade fremde Kinder bespaße oder geschickt ausmanövriert habe.

"Du wärst auch eine tolle Mutter! Bis wann möchtest Du denn eigene haben?"
"Nie, weißt Du doch. Ich möchte keine eigenen. Wollte ich noch nie."

"Ach warte einfach noch ein Weilchen ab, der Wunsch kommt bei jeder Frau, Du musst nur den richtigen Mann finden."

Und ich kann mal wieder nicht *Nein* zu so einer Unterhaltung sagen und merke, dass ich anfange mich zu rechtfertigen.

"Ich wäre keine gute Mutter, nach spätestens drei Minuten würde ich die lieben Kleinen aussetzen. Mir fehlt da die richtige Einstellung und das wäre doch Kindern gegenüber sehr unfair oder? Schließlich könnten die sich nicht einfach entscheiden auszuziehen."

Aber einmal auf dem Weg, sind *jeder-will-Kinder* schwer zu stoppen
"Du kannst doch soo toll mit Kindern, F. kommt so gern zu Dir und spielt gerne mit Dir, sie will gar nicht mehr nach Hause"
"Bei fremden Kindern weiß ich ja auch, dass ich sie wieder abgeben kann. Ich habe einfach keinen Kinderwunsch."

"Ach, wenn Du erst einmal schwanger bist, ist das etwas ganz anderes. Du musst es erst einmal fühlen" Und schon geht es wieder von vorn los.

Und ich weiß einfach nicht, wie ich das Thema sanft und geschickt für immer beende

Dienstag, 24. Oktober 2017

Zahnarzt

Ich bin nicht der einzige Mensch, der mit dieser Berufsgruppe so seine Schwierigkeiten hat. Daher wundere ich mich schon eine Weile, warum es eine Menge Studenten gibt, die dieses Berufsziel im Auge haben.
Aber, jeder ist seines Bankguthabens Schmied und es gibt ja auch nette Zahnärzte.

Zumindest hatte ich bis vor 4 Jahren davon gehört, dass es sie geben soll. So ähnlich wie die Zahnfee oder den fairen Handyvertrag. Alles eine Glaubenssache

Bis ich so richtig Zahnschmerzen bekam. Kein Wunder, wenn man vorher nur unter massiver Gewaltandrohung zum Dentisten gewankt ist.
Und auch jetzt habe ich erst einmal einen kunterbunten Mix an Schmerzmitteln eingeworfen, um die Nächte zu überstehen. Von den stündlichen kalten Wickeln gar nicht zu reden. Hält man - und vor allem ich - aber nicht lange durch. 

Für den todesmutigen Besuch beim Zahnarzt brauchte es aber erst 2 schlaflose und schmerzhafte Nächte. Hätte ich in dieser Zeit mein Bett mit jemand geteilt, wäre ich vermutlich zwangsweise vorgeführt worden, denn an Schlaf hätte niemand in meiner Nähe denken können.

Nur waren meine Erfahrungen in dieser Hinsicht ziemlich mies gewesen und getraut habe ich den Jungs ohnehin nicht. Nachdem mir ein Zahnarzt im zarten Alter von 12 Jahren eine Betäubungsspritze mitten in eine Zahnschwellung gesetzt hatte, hatte ich mir meine Meinung über diese Sippe gebildet. Vor allem, da auch die nachfolgenden Kollegen behaupteten: "Nur noch hier ganz kurz bohren, dann ist alles schon vorbei. Wird nicht weh tun, versprochen!"
Von wegen! Die haben alle gelogen wie gedruckt und dann noch eine halbe Stunde weiter gebohrt, gedrückt und gepiekt. Das hat so wenig weh getan, dass ich einmal vor lauter Schmerz ohnmächtig wurde. Da haben dann auch diese albernen Plastikspielzeuge zum Abschluss der Behandlung keinerlei Wert gehabt.

Aber jetzt musste es sein und ich musste mir einen neuen Zahnarzt suchen. Gesegnet sei das Internet, dort findet man auch Angstzahnärzte. Und der, den ich gefunden habe, ist wirklich ein Schatz.
Im Zweifelsfall hypnotisiert er das hyperventilierende Menschenkind und hat vor allem eine Engelsgeduld. Ich muss etwa 20 Minuten auf diesem Stuhl gelegen haben, bis die Instrumente auf diesem angeklinkten Tisch aufgehört haben zu klirren. Mein Zittern hatte den ganzen Stuhl zum Wackeln gebracht. Und die ganze Zeit hat er ruhig erklärt und ließ sich auch nicht davon irritieren, dass meine Dialogbeiträge recht vorhersehbar waren. Jeder, wirklich jeder zweite Satz, war gleich: 
"Guten Tag, meine Name ist Whimsy und ich möchte eine Betäubung." 
"Ich habe keine so guten Erfahrungen mit Zahnärzten und ich möchte eine Betäubung."
"Ich habe Sie über das Internet gefunden    und ich möchte eine Betäubung."

Im Verlauf der letzten 4 Jahre ist mein Verhalten weniger auffällig, ich bekomme sogar eine nicht gestotterte Begrüßung über die Lippen und kann mit seiner Hilfe sogar recht manierlich und natürlich atmen.

Und: Er lügt mich nicht an. Sagt vorher, wenn es kurz weh tut. Und dann ist es auch nur kurz.

Wer also einen kompetenten und dabei freundlichen Zahnarzt sucht, ich hätte da einen Tipp.

Montag, 23. Oktober 2017

Tee Stimmung

Wenn die Sonne schon weniger Kraft hat und der Regen mich in die Wohnung treibt, ist der Wunsch nach einer Teestunde bei mir besonders groß.

Alles ist kleiner, rückt näher, vielleicht, weil das Licht nicht mehr alles beleuchtet und der Raum gemütlicher wirkt. Dann suche ich mir einfach einen Tee für solche blauen Stunden heraus und kuschel mich mit einer großen, extra-weichen Decke auf meine Couch. Ganz zufällig landen dann meist noch ein paar Kekse oder zwei Stück Schokolade auf dem Teller und ich greife nur noch nach einem meiner Lieblingsbücher. Das Telefon habe ich schon vorher stumm gestellt, zum Entspannen gehört jetzt unbedingt auch Ruhe.

Und dann kann es passieren, dass ein bestimmter Blick oder ein besonderes Lied mich so trifft, dass es scheint, als ob schon der Lufthauch eines fallenden Blütenblatts mein Inneres berührt und die Welt noch mehr Farben hat.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Elektro Friedhof

Nachdem ich heute beinahe mein Handy hingerichtet habe (Herbstregen ist eben nicht nett, sondern beinah tödlich), musste ich nach meinem Reservehandy graben, dass in dem Schrank mit allem nicht benutzten Elektrogedöns liegt.

Dabei fallen einem sämtliche Gerätesünden vor die Füße, die man aus gutem Grund bis dato gut weg geschlossen hatte. In meinem Fall alles Sachen, die ich ganz unbedingt anschaffen musste, weil ein Weiterleben ohne sie quasi unmöglich schien, aber nach 1-2 maligen Benutzen uns die graue Realität wieder einholte.

Ganz ganz wichtig war der elektrische Tischgrill mit austauschbaren Kontaktflächen. Man kann so herrlich auch im Winter gemütlich grillen und sitzt dabei rund um dieses Wunderwerk der Technik. Blöd nur, dass das Teil nur wenig Grillfläche bietet und außerdem extrem umständlich sauber zu kriegen ist. 2 Mal gegrillt, danach verschwand es in der hintersten Ecke des Schranks. Im Originalkarton. Damit dürfte es in ca. 80 Jahren für Sammler heiß begehrt sein, vor allem da auch die Bedienungsanleitung noch vorhanden ist. Ist da jemand, der sein Sammelgebiet erweitern möchte?

Auch mein Dampfbesen sucht ein neues, freundliches Zuhause. Schien die beste Idee ever zu sein, alles hygienisch rein, ohne lästige Putzmittelrückstände oder den Duft weiter Bergwiesen. Nur Wasser, ein wenig Strom und der Mikrofaser Wischbezug. Sah in der Werbung so einfach und effektiv aus. 
Ist es vermutlich auch, wenn man nur 2 m² putzen muss. Sollte man aber in einer normalen Wohnung und nicht in einer Puppenstube wohnen, muss man nach einer Fläche von 4 Fliesen Wasser nachfüllen (natürlich destilliertes) und vor allem den Wischbezug wechseln, der etwa so groß wie eine Handfläche ist. Und da haben wir dann ein Problem, denn die Werbung zeigt leider nicht, wie man einen kochend heißen Bezug von dem Gerät friemelt, ohne sich die Finger zu verbrennen und laut fluchend das Teufelsding in die Ecke zu pfeffern. Nächster Gast für den Schrank.

Weitaus weniger gefährlich, dafür aber nerviger ist mein Luftreiniger. Funktioniert so wie er soll, steht bescheiden auf dem Schrank und produziert quietschsaubere Raumluft. 
Rauscht aber - die ganze Zeit - auch wenn alles andere ruhig ist. Nervt also, enorm sogar.
Steht jetzt direkt neben dem Tischgrill. Kann er ja mal sehen, wen er da nerven kann.




Samstag, 21. Oktober 2017

mimimi und Arm

Heute der erste herbstliche "mimimi" Eintrag.

7 Stunden draußen im Gelände verbracht, die ersten zwei Stunden waren ein Beispiel für jeden Katalog-Herbst. Sonnig, golden, sanfter Wind. Alle lächeln und im Kopf taucht das erste Bild von einem gemütlichen Teestübchen auf. Mit englischen Scones und für die härteren Exemplare unter uns auch mit dem ersten Whisky des Tages.

Die folgenden 5 Stunden führen dann zu der einzigen logischen Konsequenz:
Arm, ich will sofort auf den Arm! 

Und jemanden, der überzeugend in mein Ohr murmelt: Du hast völlig recht, das ist alles seehr ungerecht, so viel Regen und kalten Wind hast du nicht verdient. Wir verhauen jetzt irgend jemand, der dafür verantwortlich ist und gehen dann in deine warme Wohnung und stecken dich erst in trockene Klamotten und dann unter eine warme Decke. Versprochen!"

Bei dem Gedanken an die nächsten Wintermonate möchte ich von dem Arm gar nicht mehr runter, *sniff*.