Dienstag, 24. Oktober 2017

Zahnarzt

Ich bin nicht der einzige Mensch, der mit dieser Berufsgruppe so seine Schwierigkeiten hat. Daher wundere ich mich schon eine Weile, warum es eine Menge Studenten gibt, die dieses Berufsziel im Auge haben.
Aber, jeder ist seines Bankguthabens Schmied und es gibt ja auch nette Zahnärzte.

Zumindest hatte ich bis vor 4 Jahren davon gehört, dass es sie geben soll. So ähnlich wie die Zahnfee oder den fairen Handyvertrag. Alles eine Glaubenssache

Bis ich so richtig Zahnschmerzen bekam. Kein Wunder, wenn man vorher nur unter massiver Gewaltandrohung zum Dentisten gewankt ist.
Und auch jetzt habe ich erst einmal einen kunterbunten Mix an Schmerzmitteln eingeworfen, um die Nächte zu überstehen. Von den stündlichen kalten Wickeln gar nicht zu reden. Hält man - und vor allem ich - aber nicht lange durch. 

Für den todesmutigen Besuch beim Zahnarzt brauchte es aber erst 2 schlaflose und schmerzhafte Nächte. Hätte ich in dieser Zeit mein Bett mit jemand geteilt, wäre ich vermutlich zwangsweise vorgeführt worden, denn an Schlaf hätte niemand in meiner Nähe denken können.

Nur waren meine Erfahrungen in dieser Hinsicht ziemlich mies gewesen und getraut habe ich den Jungs ohnehin nicht. Nachdem mir ein Zahnarzt im zarten Alter von 12 Jahren eine Betäubungsspritze mitten in eine Zahnschwellung gesetzt hatte, hatte ich mir meine Meinung über diese Sippe gebildet. Vor allem, da auch die nachfolgenden Kollegen behaupteten: "Nur noch hier ganz kurz bohren, dann ist alles schon vorbei. Wird nicht weh tun, versprochen!"
Von wegen! Die haben alle gelogen wie gedruckt und dann noch eine halbe Stunde weiter gebohrt, gedrückt und gepiekt. Das hat so wenig weh getan, dass ich einmal vor lauter Schmerz ohnmächtig wurde. Da haben dann auch diese albernen Plastikspielzeuge zum Abschluss der Behandlung keinerlei Wert gehabt.

Aber jetzt musste es sein und ich musste mir einen neuen Zahnarzt suchen. Gesegnet sei das Internet, dort findet man auch Angstzahnärzte. Und der, den ich gefunden habe, ist wirklich ein Schatz.
Im Zweifelsfall hypnotisiert er das hyperventilierende Menschenkind und hat vor allem eine Engelsgeduld. Ich muss etwa 20 Minuten auf diesem Stuhl gelegen haben, bis die Instrumente auf diesem angeklinkten Tisch aufgehört haben zu klirren. Mein Zittern hatte den ganzen Stuhl zum Wackeln gebracht. Und die ganze Zeit hat er ruhig erklärt und ließ sich auch nicht davon irritieren, dass meine Dialogbeiträge recht vorhersehbar waren. Jeder, wirklich jeder zweite Satz, war gleich: 
"Guten Tag, meine Name ist Whimsy und ich möchte eine Betäubung." 
"Ich habe keine so guten Erfahrungen mit Zahnärzten und ich möchte eine Betäubung."
"Ich habe Sie über das Internet gefunden    und ich möchte eine Betäubung."

Im Verlauf der letzten 4 Jahre ist mein Verhalten weniger auffällig, ich bekomme sogar eine nicht gestotterte Begrüßung über die Lippen und kann mit seiner Hilfe sogar recht manierlich und natürlich atmen.

Und: Er lügt mich nicht an. Sagt vorher, wenn es kurz weh tut. Und dann ist es auch nur kurz.

Wer also einen kompetenten und dabei freundlichen Zahnarzt sucht, ich hätte da einen Tipp.

Kommentare:

  1. Es ist sehr wichtig, dass man den richtigen Zahnarzt wählt und ihn möglichst selten sieht.

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    1. "Selten sieht" ... und spürt, würde ich ergänzen. Und den richtigen zu finden ist beinah noch schwieriger als beim Lebenspartner, finden Sie nicht auch?

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    2. Ja, man muss echt Glück haben.

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  2. ich habe so eine zahnärztin..absolut gut. ich wünsche dir gute besserung.

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    1. Danke! Ich finde, Zahnarztbesuche verdienen danach immer eine Belohnung für besonders tapferes Verhalten. Also ein neues Buch oder etwas ähnlich Schönes

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