Sonntag, 11. Februar 2018

Mimik lesen

Bis vor ein paar Monaten habe ich WA kaum genutzt, inzwischen läuft da einiges an Kommunikation drüber. Unter anderem auch ein sehr unterhaltsamer Chat mit dem Richter/'Referenten der mich für nächstes Jahr nach Schottland eingeladen hat.

Und ich möchte gar nicht wissen, wie unterhaltsam meine Verbrechen an der englischen Sprache für ihn sind ... Aber er ist da immer sehr höflich. Nur ab und zu merke ich einen leisen Spott, der meist ziemlich genau meinen Humor trifft.

Ich hatte mich ja schon gewundert, dass er überhaupt noch wusste, wer ich bin. Denn wir hatten uns vor dem Seminar nur bei einer Veranstaltung gesehen und da war ich prüfungstechnisch nicht unbedingt positiv aufgefallen.

Jetzt stellte sich mal wieder heraus, dass ich manchmal unterschätze, wie gut andere Leute (vor allem im Vergleich mit mir) in der Lage sind Mimik und Gestik zu lesen. Denn in Erinnerung geblieben war ich wohl gar nicht wegen meiner ziemlich schlechten Performance in seiner Aufgabe, sondern wegen der folgenden Abendveranstaltung. Hatte ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm.

Zu dem Zeitpunkt war es Ewigkeiten her, dass ich tanzen war, feiern und Blödsinn machen. Und dies war der perfekte Tag, um das zu ändern. Es war der erste Tag des Finales und alle Starter bereiteten sich auf den Gala Abend vor. Gala Abend bedeutet bei uns die Aigle Stiefel endlich einmal auszuziehen und sich in etwas anderes als grüne Barbour Jacken zu werfen.

Die Teilnehmer sehen ohne wettertaugliche Kleidung so ganz anders aus, dass es mir teilweise (diese Untertreibung ist fast schon Vorsatz) schwer fiel, die Namen den Menschen zuzuordnen. Ein Problem das ich ohnehin immer habe.

Und so sehe ich direkt mehrmals am Abend sehr sehr irritiert aus, wenn mich freundliche Menschen ansprechen "Hallo Miss Whimsy, ich bin so froh, dass wir uns endlich mal wieder treffen", mich herzlich umarmen und ganz allgemein den Eindruck erwecken, dass wir uns sehr nahe stehen. Um Enttäuschungen zu vermeiden und mich dabei nicht völlig zu blamieren, nicke ich fröhlich lächelnd und stimme in die Wiedersehensfreude ein und habe immer noch null Ahnung, wer dass denn jetzt schon wieder ist. Sehr zur Belustigung meiner Freunde, die meine Schwachstelle schon lange kennen und sich jetzt auf meine Kosten hervorragend amüsieren.

Und es wird noch schlimmer, denn nach einiger Zeit bemerke ich, dass sich offensichtlich auch andere Leute darüber sehr erheitern können. Denn am Richtertisch sitzt auch C., der sich scheinbar nicht mit den anderen englischen Richtern unterhält, sondern unseren Tisch beobachtet und sich über irgendetwas sehr zu freuen scheint. Im Laufe des Abends ist mir das aber recht egal, denn der ungewohnte Weinkonsum führt bei mir zu einer gewissen Ausgelassenheit und ich merke wie die Glitzerknete in meinem Kopf anfängt zu brennen.

Als ich von der Tanzfläche komme, stoße ich gewohnt tolpatschig mit jemand zusammen. Und wie C. heute im Chat schrieb, habe ich dann wohl mit einem leicht angeschickerten Silberblick in sein Gesicht hinauf gelächelt und mich extrem amüsiert entschuldigt, bevor ich breit grinsend weiter ging.

Er hätte zwar die Gespräche nicht verstanden, aber es sei ihm selten jemand begegnet, der über sich selber so gut lachen konnte. 
Ich hätte nicht gedacht, dass das so offensichtlich ist.

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