Donnerstag, 1. Februar 2018

Selbstwertgefühl

Letzten Freitag habe ich mich mit einem langjährigen Freund getroffen. Der Abend verlief wie immer: viele Gespräche und harmonisch.

Bis er beiläufig etwas erzählte, dass mich aus der Unterhaltung katapultierte, weil es meiner Sicht auf unsere Freundschaft eine völlig andere Perspektive verlieh. Nicht absichtlich, er sprach eigentlich über ein komplett anderes Thema. Aber ich hatte plötzlich eine Art Scheinwerfer im Kopf, der mir die Situation ganz anders beleuchtet hat. Und seine Art Freundschaft ganz anders und für mich nicht akzeptabel erscheinen ließ.

Hat mich sozusagen auf meinen Platz verwiesen und das ist nicht besonders angenehm. Führt bei mir ganz automatisch auch dazu, dass ich mich direkt komplett in Frage stelle, mein Selbstwertgefühl auf die Nulllinie sinkt und ich den kompletten Rückzug antrete. Dabei dann im Gespräch immer noch annehmend zuhöre und der Rest hinten im Kopf abläuft.

Am nächsten Tag habe ich eine Mail geschrieben, aber mal wieder nicht abgeschickt.

Und jetzt steht morgen das nächste Treffen an, auf das ich gar keine Lust habe. Weil ich eigentlich Abschied nehmen möchte. Nun kollidiert das mit meinem Unvermögen "Nein" sagen zu können.

Es bleiben mir also die Alternativen

Morgen anrufen und unter einem Vorwand absagen
Hilft mir eine Woche weiter, dann muss ich entweder wieder lügen oder dann die Karten auf den Tisch legen

Morgen anrufen und am Telefon alles abklären
Ist die zweitbeste Möglichkeit, weil ich dann weit weg vom Gesprächspartner bin. Allerdings finde ich es nicht besonders fair, weil ich es besser finde, dass unter vier Augen zu besprechen.

Morgen mailen und alles abklären
Schön viel Distanz, aber meiner Meinung nach noch unpersönlicher und unfairer

Hingehen und das vor Ort klären
Hui, das wäre schwer. Aber fair

Nicht mehr melden
Brauch ich nicht viel zu sagen, dann kann ich mir selber nicht mehr in die Augen sehen

Oder nichts sagen und so weiterlaufen lassen
Kriege ich nicht mehr hin, da kann ich nicht mehr unbeschwert sein und so tun als ob. 

Ich hab ja noch ein paar Stunden Zeit mich zu entscheiden


Kommentare:

  1. "Bis er beiläufig etwas erzählte, dass mich aus der Unterhaltung katapultierte, weil es meiner Sicht auf unsere Freundschaft eine völlig andere Perspektive verlieh."

    wie wäre es denn, wenn du mit deiner dir vertrautesten freundin einfach mal drüber redest, vielleicht kann sie ja als neutrale person über ihre wahrnehmung sprechen.
    wir neigen ja oftmals dazu, dinge wahrzunehmen, aufgrund unseres derzeitigen gemütszustand. vielleicht hättest du an einem anderen tag gar nicht solche gedanken aufkommen lassen.

    ansonsten: hingehen und das vor ort klären. auch wenn es schwer fällt...

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    1. Die Perspektive - Du hast den Punkt getroffen.

      Vor Ort klären wäre bis heute Vormittag auch meine Lösung gewesen (wenn mich nicht in der letzten Minute vielleicht doch der Mut verlassen hätte). Aber die Entscheidung musste ich nicht mehr treffen, es gab heute von der anderen Seite eine Absage. Dann halt in der nächsten Woche

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  2. Schwierig. Vielleicht sollte man einfach Kontakte zu Menschen grundsätzlich meiden.

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    1. Der Alternative komme ich oft schon ziemlich nah. Ist aber auch nicht immer gut, also arbeite ich dran, mich doch wieder drauf einzulassen.

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