Montag, 17. Juli 2017

Landleben versus Telekommunikation

Ich lebe gern hier auf dem Land, viel Raum, wenig Großstadt.

Nur die Sache mit dem technischen Fortschritt, könnte, sagen wir mal , optimiert werden. Während in ganz Deutschland die Netzbetreiber um Kunden werben, nehmen die Anbieter hier eine eher abwartende Haltung ein.

Bei meinem Einzug dachte ich noch ganz naiv, dass ich einfach meinem alten Anbieter, den rosa T's, die Treue halte. Der angereiste Techniker unterzog auch ganz artig sämtliche Schaltkreise und Stecker (technischen Kram halt) einer halbstündigen Musterung, packte wieder seinen Koffer zusammen und wollte einfach gehen. Jetzt habe ich so einen Handwerker ja nicht das erste Mal im Haus und weiß, dass ich ihn erwischen sollte, bevor er die Tür von Außen schließt. Sonst hört man nämlich die nächsten 6 Wochen wieder nichts von dem Verein.
Derartig in die Enge gedrängt, ließ er sich doch zu einem Termin festnageln:
"Wenn SIE glauben, dass die T HIER einen Anschluss legt, muss ich Sie enttäuschen. Das lohnt sich nicht."

Ich meine, wir leben in einer Industrienation, die diverse Nobelpreisträger hervorgebracht hat und die schaffen es nicht, hier auf dem platten Land einen simplen Telefonanschluss zu legen? Immerhin stehen hier im Umkreis von 2 Kilometern doch an die 10 Häuser, das ist ein Potential, das nur darauf wartet erschlossen zu werden.

Techniker verschwindet leicht empört, weil ich immer noch auf einem Anschluss bestehe und tatsächlich, früheste Möglichkeit auf einen Vertrag mit der T in ca. 6 Monaten (oder wenn die Hölle zufriert, je nachdem, was später passiert).

Aber die Vorteile einer Gesellschaft, die den freien Wettbewerb lebt, ist ja, dass es noch andere Telekommunikationsunternehmen gibt, die sich um einen Neukunden förmlich schlagen werden.
2 Tage und diverse Telefonate später bin ich mir nicht mehr so sicher, dass der Wettbewerbsgedanke auch hier im Norden angekommen ist. Eher nicht.

Es gibt immerhin zwei Möglichkeiten: Telefon und Internet über Funk bei dem roten Riesen oder noch 4 Wochen warten, bis der regionale Computerladen hier die Leitungen von der T übernimmt.
Instinktsicher entscheide ich mich für den erfahrenen und  wie sich später herausstellt, abgezockten Vertriebsriesen. Und greife damit instinktsicher in die ... , na Sie wissen schon.
Denn nachdem ich hier die erste Kundin mit dem Funkvertrag bin, laufen Telefon und Internet einfach traumhaft. Schnell, problemlos und zuverlässig.

Sie ahnen es -so etwas kann nicht gut gehen. 

Das ist so etwas wie eine allgemein gültige kosmische Regel. Niemand hat einen perfekt funktionierenden Internetanschluss und hier erst recht nicht!

Und wirklich, kaum werden alle anderen Haushalte im Umkreis ebenfalls auf den einzigen Funkmast geschaltet, läuft hier nichts mehr. Telefonate enden nachdem sich der Anrufer gemeldet hat und alle weiteren Kommunikationsversuche werden gnadenlos abgewehrt. Ich weiß dann zwar, wer angerufen hat, aber nicht warum. Telefonicus interruptus.

Ach ja, dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich dann nicht einfach auf den Mobilanschluss ausweichen kann, denn - da läuft hier, überraschenderweise, gar nichts. Null Balken.
Nur 1 Kilometer weiter, mitten in den Feldern, da ist plötzlich Empfang. Semioptimal, wenn man von Zuhause aus arbeitet.

Wenn Sie jetzt mit einem einzigen Anruf ein ganzes Call Center sabotieren möchten, empfehle ich Ihnen bei Reklamationen die folgende Wortwahl: "Aber warum können Sie denn nicht einen zweiten Mast aufschalten, der rote Riese ist doch ein modernes Telekommunikationsunternehmen"
Das Gelächter der Telefonknechte wird jetzt eine knappe halbe Stunde andauern, während dessen können Sie, da Sie ja inmitten der Felder stehen (Sie erinnern sich, kein Empfang im Haus), Blumen zählen oder auch Mücken , eine vernünftige Antwort wird es heute aber nicht mehr geben.

Nach 6 Monaten hatte ich dann endlich die außerordentliche Kündigung durch (dachte ich) und bin jetzt doch bei dem kleinen Computerladen gelandet, die hier das Netz übernommen haben.

Zumindest fällt das Netz nur maximal zwei Mal am Tag aus und man sieht die Nachbarn häufiger, wenn man sich gegenseitig bestätigt, dass mal wieder alles down ist und es nicht am eigenen PC liegt.
So ist das auf dem Land, man hilft sich gegenseitig




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen