Mittwoch, 19. Juli 2017

Männerdomäne

Mit ca. 7 % liegt der Frauenanteil bei der Jägerschaft ziemlich niedrig. Die Jagd und alles was darum passiert, liegt somit fest in Männerhand. 

Und zu den 7 % wollte ich einmal gehören und hatte mich aus verschiedenen Gründen zu einem Jagdkurs angemeldet. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Wege: Den über die komprimierten Lehrgänge bei Jagdschulen und den traditionellen Weg in der örtlichen Jägerschaft. 
Über die Jägerschaften kann man Beziehungen knüpfen, die später bei dem Wunsch nach Reviernutzung oder Jagdgelegenheiten unerlässlich sind. Und man muss sich nicht für 4 Wochen in Kloster ähnliche Klausur begeben, sondern kann vor Ort lernen. Allerdings dauert dieser Kurs ca. 6 Monate, in denen man sich vorher schon einmal grundlegend von allen anderen Sozialkontakten verabschieden sollte.

Bei unserem ersten Treffen standen wir mit ca. 30 nervösen Menschen vor dem Lehrgangshaus. Wie immer bei solchen ersten Zusammentreffen fing das allgemeine Mustern an. Und interessant war die Mischung. Wie auf dem Land üblich, stammte die Mehrzahl der Aspiranten aus Familien, in denen schon seit Generationen gejagt wurde. Und der Enkel irgendwann einmal die Jagdpacht vom Opa übernehmen sollte, wenn er denn den Lehrgang überlebte wenn er sich bei den Schießeinheiten einigermaßen verantwortungsbewusst benahm. 

Dann gab es ein Ehepaar, das sich, in Vorbereitung auf den Ruhestand, ein Landgut mit den dazu gehörigen Ländereien gekauft hatten und dort die Jagd selber ausüben wollten. Die beiden parkten ihren Bentley genau neben ein extrem herunter gekommenes Wohnmobil, dessen Besitzer den Eindruck machte, dass er zumindest für den Waffenteil nicht mehr viel Neues lernen müsste. 

Während sich der Lehrgangsraum füllte, wurde schnell klar, dass es außer mir nur noch eine weitere Frau gab und dass der Altersdurchschnitt sich ab 40 aufwärts bewegte und damit die meisten mehr *Lebenserfahrung* als ich besaßen.

Übliche Vorstellungsrunde, mit einer kleinen Einführungsrede des Kursleiters, der auf Grund seiner Langatmigkeit schon Schlimmes für seine Unterrichtseinheiten befürchten ließ - was sich natürlich bewahrheiten musste. 
Mit einem Seitenblick auf einige Teilnehmer wurde auf die Verantwortung hingewiesen, die man als späterer Waffenbesitzern tragen würde. Um dann übergangslos den abgerissenen Wohnmobilbesitzer nach den Gründen für seine Anmeldung zu fragen.

Um ehrlich zu sein, hätte es mich nicht groß gewundert, wenn dieser Mann in abgegriffener Lederjacke, mit einer Schulterbreite wie ein Türrahmen, jetzt frank und frei zugegeben hätte, dass er so an eine Waffe zum Selbstschutz bei diversen Drogengeschäften kommen könnte. Weit gefehlt kleine Miss, der junge Mann war Sozialarbeiter / Streetworker und brauchte einen Freizeitausgleich zur Arbeit.

Im Laufe der nächsten Monate lieferte er sich übrigens ein sehr interessantes mobiles Duell mit den Landgutbesitzern. Beide Parteien besaßen einen abwechslungsreichen Fuhrpark, so dass wir immer warteten, bis beide auf den Parkplatz gefahren waren, um das jeweilige Prachtstück bewundern zu können. Punktemäßig lag das Ehepaar mit Bentley, einem Rolls Royce und zwei Rovern vorne, bis zu dem Tag, an dem sie in einem Smart vorfuhren und der Streetworker trocken bemerkte, ob sie den nicht lieber gleich auf dem Luderplatz entsorgen wollten.

tbc


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