Mittwoch, 3. Juli 2024

Entzug

 Es kommt mir vor wie in der Zeit, als ich bewusst auf Zucker verzichtet habe. Erst da wurde mir bewusst, wie ich "den Stoff" gesucht habe und so geplant habe, dass ich ihn auch bekomme.

Nun ist Er weg. Kreuzfahrt mit Frau.

Die Erholung, die Eindrücke, Landschaften und die neue Luft wünsche ich ihm. Aber ich merke, wie mein Herz fällt. In eine Tiefe, deren Boden ich nicht erkennen kann. Und mit jedem Tag fällt es schwerer.

Ich merke aber auch, dass es sich so anfühlt, als ob ich wieder klarer sehen kann. Als ob seine fehlende Präsenz in meinem Leben auch gleichzeitig mein Hirn entnebelt. Als sei es auf Entzug.

Und ich begreife, dass ich nur die Zweitbesetzung bin. Nicht so angenehm der Gedanke. Daher denke ich mich schnell davon weg.

Denn der Gedanke an das was ich fühle, wenn seine Hand in meinem Nacken ist, seine Fingen an meinen Nippeln, seine Stimme in meinem Ohr ist zu verführerisch. Diese unglaubliche Ruhe in meinem Kopf, wenn ich nach der Züchtigung mit dem Kopf auf seinem Brustkorb zum Klang seines Herzens einschlafe. Wohl geborgen zu sein, auch in seinem *ich liebe dich*.

Drogen sind verführerisch

Sonntag, 23. Juni 2024

Spiegelschwester

 Eine spannende und erholsame Woche an der Nordsee liegt hinter mir. Nach etwa 7 Jahren habe ich meine Schwester wieder gesehen . Wir hatten zwischenzeitlich sporadisch Kontakt, haben telefoniert oder über Whatsapp kommuniziert. Und so haben wir uns begleitet bei ihrer Scheidung, meiner OP, unseren Umzügen und allen wesentlichen Schicksalspunkten. Wie das bei Familie so ist, wenn man nicht ganz so eng miteinander ist. 

Jetzt hatte ich das erste Mal seit ungefähr 25 Jahren Urlaub. Also "richtigen" Urlaub. Kein Seminar, keine Fahrt zu einer Hundeprüfung, Veranstaltung oder ähnlichem. Nur ich und das Meer.
Vorab hatte ich mir tatsächlich Gedanken gemacht, was ich die ganze Zeit anstellen sollte. Meine Schwester und ich hatten einmal überlegt, dass ich in ihrem Gästezimmer schlafe, aber vorsichtshalber habe ich mir lieber eine Ferienwohnung gebucht. Richtige Entscheidung übrigens.

Meine Vermutung war, dass wir uns in der Woche vielleicht so zwei Abende sehen, weil ich ihre Reaktion auf meine Urlaubsplanungen nicht besonders enthusiastisch empfunden hatte. Daher war ich überrascht, dass sie direkt für Freitag Abend ein Treffen vereinbarte. Und auch in der  restlichen Zeit haben wir uns jeden Tag gesehen. 

Es hat gedauert, bis wir uns näher gekommen sind. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis vor ein paar Jahren, war mir körperlicher Kontakt mit anderen Menschen unangenehm. Also ein Umarmen oder eine Hand auf meinem Arm. Dem bin ich ausgewichen, so gut ich konnte. Und das konnte ich gut. Wegdrehen, kurz unauffällig nach hinten gehen, beiläufig etwas aufheben - Hauptsache aus der Situation raus. Zwischenzeitlich habe ich gelernt das zu können und bei den richtigen Menschen auch zu genießen. Mittlerweile kann ich das selber - also Menschen umarmen. Ich finde, das war ein großer Schritt für mich, eine Entwicklung, auf die ich stolz bin. 

Und nun sehe ich meine Schwester, die dasselbe macht, wie ich früher. Die unauffällig dafür sorgt, dass sie keiner umarmt. Daher kündige ich ihr einen Tag später an, dass ich das tun werde, sie umarmen. Und sehe in ihrem Gesicht, dass sie es zulässt, aber nicht mehr. Sehe sie wie mein Spiegelbild vor ein paar Jahren. Das beschäftigt meine Gedanken in den nächsten Tagen. Wie sehr unsere Kindheit uns einen gemeinsamen Stempel aufgedrückt hat. Den ich besser erkenne, wenn ich sie ansehe, weil ich es dann mit einer gewissen Distanz tun kann. Es ist nicht so schmerzhaft nah, als wenn ich mich selber ansehe. Wir haben einiges gemeinsam, dass mich immer noch beeinflusst. Einiges konnte ich hinter mir lassen. Etwas, dass mich lächeln lässt.


Am Ende der Woche ist es übrigens meine Schwester, die mich überraschend mit einer Umarmung verabschiedet. Und ich kann es schön finden.




You need a hug


https://youtube.com/shorts/Z6865fEpnmI?si=WI9sAhtViWC8L03f



Montag, 20. Mai 2024

Donnerstag, 9. Mai 2024

Summary

 Hatte gar nicht gemerkt, dass es schon so lange her ist, dass ich hier geschrieben habe.

Es war - leicht untertrieben gesagt - viel los. Zumindest für mich.

Der Umzug in die Große Stadt und die Eingewöhnung hier ist doch stressiger als ich vorher dachte, -wobei "Umzug", ein noch ganz anderes Thema für einen ganz eigenen Post ist. So zur Frustbewältigung. Spoiler: Wir haben total nette und total überforderte Mitarbeiter in der Personalabteilung. Es ist eine Freude von dort Informationen haben zu wollen. Oder Antragsgenehmigungen

So ein klein wenig nunja orientierungslos war ich ja schon immer. Hier ist es noch chaotischer damit, weil ich mich ja so gar nicht auskenne. Wenn Er mich also vom Büro abholt und nach 10 Minuten hoffnungsfroh fragt (in der Hinsicht glaubt Er wirklich an das Gute in mir) "ob ich jetzt nicht weiß, wo wir sind?" kann ich auch nach einem halben Jahr voller Überzeugung verneinen. Ich bin froh, wenn ich morgens zum Bus finde ...

Aber die wichtigsten Einkaufsstationen habe ich mit Hilfe von Einheimischen inzwischen für mich gefunden. Manchmal auch erst nachdem ich auf die Nase geflogen war.  Um dem geneigten Leser die gleichen Fehler zu ersparen: Wenn bei einem Friseur am Freitag Nachmittag noch ein spontaner Besuch möglich ist, tuen Sie es nicht! Egal wie sehr ihr Haarschnitt sie drängt - es hat seinen Grund, warum nicht alle Plätze vergeben und nicht alle Mitarbeiter verplant sind. Ich sage Ihnen das mit Überzeugung, zu kurz und frisselig geschnittenen Deckhaaren und einem schief geschnittenem Pony. 

Und zu allem Überfluss habe ich mich nicht nur nicht beschwert sondern auch noch 3 € Trinkgeld gegeben. Bei so etwas bin ich einfach das perfekt Opfer.

Glücklicherweise habe ich eine Woche später zufällig einen anderen Friseur im Vorbeilaufen gefunden. Wollte nur kurz die am Eingang ausgehängte Preisliste studieren, als mich der, frischgebackene, Eigentümer ansprach, auf einen Tee einlud und wir uns nach 3 Sunden frisch gesträhnt (ich) und frisch über Förderungsmöglichkeiten informiert (er) nach drei Stunden gut gelaunt verabschiedeten. 

Bäcker: Absolute Empfehlung, ich laufe auf dem Weg zwar an mindestens 5 anderen Backwarenverkäufern vorbei, aber das ist noch ein richtiger Bäcker und der Weg lohnt sich.

Ansonsten lebe ich im ungewohnten Luxus, dass ich innerhalb von 10 Minuten alle notwendigen Geschäfte erreiche, Umkreis 50 m. Genial

Das macht also keinen Stress. Aber die Anforderungen im Büro. Die ich mir selber mache. Weil ich es auf den Tod nicht abkann, wenn mein PC mir unerledigte Aufgaben anzeigt. Als ich mein Arbeitsfeld übernommen habe, zeigte mir der Kasten über 180 überfällige Aufgaben an. Die habe ich abgearbeitet, aber wie es wohl überall ist, die Dinger wachsen nach. Und so steht jeden Morgen eine neue kleine Herde an dringenden Aufgaben an der Pforte meines einen (von 5) Postfachs, um in die Arbeitswelt hineingelassen zu werden. Das ist Normalität. Das ist ein Pensum, dass ich bewältigen kann, wenn ich mich anstrenge, Auch weil ich weiß, dass ich damit besser zurecht kommen werde, sobald ich die fachliche Seite besser beherrsche.

Womit ich ein wirkliches Problem hatte, sind die unvermutet auftauchenden Zusatzanforderungen, die nur statistische Hintergründe haben, aber Zeit kosten. Stellen Sie sich vor, Sie brauchen pro Auto einen Tag zur Produktion. Dürfen keine Überstunden machen. Damit ist klar, dass sie im Monat ca. 20-23 Autos fertigen können. Nun möchte jemand, dass sie zusätzlich dazu, bis Ende des nächsten Monats, noch 30 weitere in einer Spezialfarbe produzieren. Bei so etwas fängt bei mir Stress an.

Während meine Kollegen sich über den Kram aufregen, sind sie gleichzeitig auch entspannter damit  umgegangen. Wie sie mir sagten, ist das einfach nicht zu schaffen. Sie tun, was sie können, aber geraten nicht in Panik.

Jetzt raten Sie. Ich hatte so richtig Stress. Hab mir die Tage viel zu voll gepackt. Das was ich mir vorgenommen hatte, habe ich auch geschafft - aber: das war nicht gut für mich. Ich habe jetzt den vierten Infekt, mein Kreislauf ist nicht sooo stabil und ich schlafe abends regelmäßig in seinen Armen ein. Was mir sehr leid tut. Denn besonders unterhaltsam bin ich dann nicht.

Also muss ich was tun. Und habe beschlossen, mich anzustrengen, aber nicht über meine Grenzen zu gehen. Sondern Sachen ggf. auch liegen zu lassen. Das wird schwer

Samstag, 27. April 2024

Weil Du nicht da bist

 WEIL DU NICHT DA BIST

Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
all meine Einsamkeit auf ein Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe,
die Maiennacht ruft laut.
Doch nicht nach mir.
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
Hier sitz ich unterm Dach beim Lampenschimmer,
den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
"Weil du nicht da bist," flüstert es im Zimmer.
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.
* * * * * * *
Mascha Kaléko