Sonntag, 16. Februar 2025

Mit-Menschen Akku

 Schon seit ein paar Tagen bin ich niedergeschlagener als sonst. Normalerweise gehe ich mit meiner guten Laune den Kollegen entweder unangenehm auf die Nerven, weil ich einfach Spaß im Leben und bei der Arbeit habe. Oder ich helle Ihnen einen trüben Tag wenigstens ein wenig auf.

Mir macht das Spaß und ich glaube, es ist eines der wenigen Talente, die ich habe (btw mein anderes Talent ist es, mich in Sekundenschnelle von einer sauberen, gut gekleideten Frau in pig-pen aus den Peanuts zu verwandeln). Meint, ich kann ganz gut zuhören und Menschen erzählen mir mehr von sich. Ich empfinde das als besonderes Vertrauen und behandle das Gesagte wie mein eigenes Geheimnis.

Auf einer unserer Schulungen erklärte ein Psychologe einmal, dass man aufpassen muss, dass der Glückshormonspeicher nicht leer läuft. U.a. weil man in unserem Job zu viel "ausgibt". 

Und so habe ich mich Donnerstag gegen einen Besuch bei einer Freundin entschieden (die glücklicherweise Verständnis hatte). Ich hatte das dringende Bedürfnis einfach Ruhe zu haben. Am Freitag kam es dann noch einmal knüppeldick. 

Eine weitere Wohnung abgesagt,
neue Forderungen aus der Chefetage rein mathematisch nicht zu schaffen sind - aber wir sollen trotzdem,
eine befreundete Kollegin, die an sich selber zweifelte wieder ermuntert
meine Teamleiterin mit etwas Galgenhumor versorgt
meinen lieben Polterkollegen "gewaltsam" mit Optimismus geimpft
anderen Kollegen noch einmal verständnisvoll zugehört, weil sie mit den neuen Forderungen kämpfen
und zu guter Letzt im Bus meiner krebskranken Kollegin begegnet, die mal raus musste und mich nun mit schweren Augen ansah. Die konnte ich nicht einfach im Bus verabschieden. Also sind wir spontan Kaffee/Tee trinken gegangen. Und ich habe ihr ein Date in einem Monat vorgeschlagen, weil sie dann etwas hat, dass in der Zukunft liegt. Was ihr eine Aussicht gibt, auf etwas, das länger als 3 Tage in der Zukunft liegt - denn die Aussichten sind nicht gut 

Zuhause habe ich gemerkt, dass mein Akku auf 1-3 % läuft.  Bei mir hilft dann puzzeln, spazieren gehen und putzen. Und das ist dann auch alles, was ich am Wochenende gemacht habe. 

Und es hat geholfen. Nun kann ich wieder mit Mitmenschen umgehen


Samstag, 1. Februar 2025

Wohnliche Überraschung 2

 Nach einem Monat der Wohnungssuche hat sich herausgestellt, dass es

a) noch schwieriger ist als erwartet

b) noch teurer

c) und noch deprimierender


ja, es gibt auch in der Großen Stadt Wohnungen. Aber die Aussicht für 23 m² 1100 € kalt zu zahlen, vergrätzt mich irgendwie als Mieter.

Alle möglichen Portale sind abonniert, alle Mensch die nicht schnell genug flüchten konnten, habe ich zu Wohnungssuch-Komplizen gemacht.

Mein Handy ist ausnahmsweise laut gestellt, damit ich bei jedem Ping direkt eine Bewerbung schreiben kann. Denn wer sich nach mehr als 3 Minuten auf eine Anzeige meldet, hat so gar keine Chance.

Immerhin hatte ich ein paar Besichtigungstermine. Die Wohnungen mit Schimmel hätte ich haben können, wollte ich aber nicht. Die Wohnungen, die ich wollte, habe ich nicht bekommen.

Um so größer die Überraschung als mich am Donnerstag ein Makler anrief und mir einen Einzelbesichtigungstermin anbot. Wann ich denn Zeit hätte? Direkt heute, 2 Stunden später!

Meine Chefin hat mich sogar hingebracht, sie wohnt nur einen Block weiter.

Erstbezug nach Neubau, Größe nicht ganz passend, aber ok. Preis etwas zu teuer, aber machbar.

Makler sehr lieb, bringt Hund mit, lässt mich die Wohnung allein besichtigen. Und ich finde sie ok.

Vor der Wohnung redet er davon, dass er keine Lust auf die Gruppenbesichtigung zwei Tage später hat. Mein Einsatz! 

"Also ich würde die Wohnung direkt nehmen, wenn ich sie kriege."
"Ok. Für mich passt es, ich schlage Sie den Vermietern vor. Wann können Sie einziehen?"

Kurz überlegt, mein jetziger Vermieter, will mich ja unbedingt raus haben und er hatte gesagt, dass wir uns schon einig werden. Es täte ihm ja so leid, dass er sein Wort nicht halten könnte und die Wohnung doch wieder haben wollte. Also:
"zum 15.02. kann ich einziehen"
"Gut, ich melde mich morgen, ob die Vermieter zustimmen".

Mein ganzes Team, incl. Chefin, hat mitgefiebert. Freitag der Anruf: Ich hab die Wohnung. Am nächsten Tag ist Vertragsunterzeichnung.

Meine Kollegen feiern mit und meine Chefin umarmt mich im Überschwang, macht Pläne wie sie mir beim Lampen aufhängen helfen kann. Ich schwebe nur noch, bin so froh, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, die kleinen Bedenken wegen der Raum-Preis Relation sind hinnehmbar.

Als ich mit dem Vermieter telefoniere, bin ich sicher, dass er begeistert sein wird. Um so erstaunter bin ich, dass er meint, dass er noch mit Schwester und Rechtsanwalt telefonieren will. Ich gebe ihm noch mit auf den Weg, dass schon morgen die Vertragsunterzeichnung sein soll. 1 Stunde später seine Whatsapp Nachricht, dass er auf den vollen drei Monatsmieten besteht. Noch ein "Sorry" steht dahinter. Na Danke, dafür kann ich mir was kaufen. 

BTW er fährt wieder zurück nach Thailand, er muss nicht in Deutschland bleiben.

In der Nacht rechne ich rum, dem jetzigen Vermieter traue ich nun gar nicht mehr und bin mir sicher, dass auch meine Kaution verloren ist. Das wären alles in allem etwa 6.000 € die ich verlieren würde. Trotzdem - die Aussicht auf eine sichere Wohnung ist einfach zu verlockend.

Am nächsten Morgen schreibe ich mit Ihm, erzähle alles. Und Er ist erbost über den jetzigen Vermieter und meint, dass wir das hinkriegen. Er steht bei meinen Entscheidungen hinter mir.

Nun kennen wir uns so lange, dass ich merke, Er ist mit etwas nicht einverstanden, überlässt es aber mir. Daher frage ich erst einmal nicht nach, denn ich bin mir relativ sicher, dass ich die Antwort nicht hören möchte. Und dann sollte ich erst gar nicht danach fragen, das empfinde ich respektlos demjenigen gegenüber, dessen Zeit ich in Anspruch nehme, wenn ich frage.

Auf der anderen Seite, ist mir seine Meinung wichtig. Seine Antwort ist zuerst zurückhaltend: " Wenn du nicht 100% sicher bist, lass es.
Aber ich bin mir ja sicher..., also fange ich an zu argumentieren. Außerdem wäre es mir gegenüber dem Makler peinlich. Und den Kollegen, die sich so mit mir gefreut haben auch. Dass ich eine sichere Wohnung wieder absage?
So langsam werde ich sauer. Warum sät Er diesen Zweifel in mir. Wenn es blöd ist, kann ich ja nach 2 Jahren wieder ausziehen, denke ich. Und dann schreibt Er: Wenn ich nicht ganz sicher bin, ist es wieder nur eine Zwischenlösung. Bäng - da hat Er mich. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ja genau daran eben gedacht.
Mist, was fällt Ihm ein, mich so gut zu kennen? Dass Er aus dem wenigen erkennen konnte, dass ich Zweifel habe?
Und Mist, warum habe ich das erst so erkennen können?

Er schreibt, lass es, wir finden eine andere Wohnung. Verflixt, wenn ich mir da sicher wäre. Ich hab Angst, keine passende Wohnung zu finden. Die hier wäre wenigstens halbwegs passend gewesen. Ich will den Makler nicht anrufen. Andererseits: Ich weiß ja inzwischen, dass er Recht hat. Auch wenn ich es nicht einsehen will. Trotzdem lautet meine Nachricht: Ich sage ab

Das Telefonat mit dem Makler ist nicht einfach. Auch weil er verständnisvoll ist und noch versucht mir aus der Misere zu helfen. Klappt leider nicht. Aber bei ihm brauche ich mich wohl nie wieder um eine Wohnung zu bewerben. Ich hab ein total schlechtes Gewissen.

Nun muss ich nur noch den ganzen Leuten, die sich für mich gefreut hatten, erzählen, dass ich weiter suchen muss. Weil ich eine sichere Wohnung doch nicht genommen habe. Das wird blöd.


Sonntag, 12. Januar 2025

Blog Stöckchen - Vergleich

 Heute habe ich wieder einmal bei Facebook so einen Rückblick bekommen. Und ich finde, der Beitrag eignet sich auch zu einem Blog-Stöckchen. Wobei, gar so viele werden das gar nicht beantworten können, es sind halt nicht viele Leser. (Ja, ich weiß, wenn man nicht gerade oft schreibt .... - kein Wunder). Aber trotzdem, ich versuche es mal.

Auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich ein paar Dinge geändert haben, seit ich die Fragen vor 4 Jahren das erste Mal beantwortet habe. Deswegen gibt es zwei Antworten.
- die von 2021

- und die von heute


Nur 33 seltsame Dinge über mich... Bitte spielt mit, ich lese sie gerne.
1. Magst Du Blauschimmelkäse?
In Saucen ja
Inzwischen auch auf Flammkuchen
2. Cola oder Pepsi?
Cola Zero
inzwischen gar nicht mehr
3. Hast Du eine Waffe?
Nein, aber ich dürfte
ich dürfte immer noch
4. Whiskey, Tequila oder Wodka?
Weder noch
Inzwischen habe ich japanischen Whisky getrunken, würde ich definitiv wiederholen. Rotwein mag ich lieber
5. HotDog oder Cheeseburger?
Cheeseburger
Lange nicht mehr gegessen, dafür aber sehr gerne Cheeseburger Auflauf (low carb)
6. Lieblingsessen?
Risotto mit Pilzen und Parmesan
Risotto ist es geblieben
7. Was trinkst Du morgens?
Earl Grey Tee
1 Tasse Earl Grey und dann 1 Liter Pflaume/Zimt Tee
8. Kannst Du 100 Liegestütze machen?
muahhaa
Inzwischen: Immer noch nicht. Träumt weiter
9. Sommer, Winter, Frühling oder Herbst?
In jeder Jahreszeit, die Tage, an denen ich glücklich bin
Die Antwort finde ich gut und sie passt glücklicherweise immer noch
10. Trägst Du eine Brille?
Ja
Ohne müsste ich seeehr nah an die großen blauen Schilder auf der Autobahn heranfahren.
11. Phobien?
gibt es
Ein wenig besser ist es geworden
12. Lieblingstag der Woche?
An dem ich glücklich aufwache
Passt und es sind glücklicherweise viele
13. Glaubst Du an Geister?
Nein
Dabei ist es geblieben
14. Regen oder Schnee?
Regen
Immer noch Regen. Schnee ist hübscher, aber glatt.
15. Piercings?
Nein
Inzwischen habe ich Löcher in den Ohrläppchen. Ohrringe sind einfach zu hübsch
16. Pommes oder Zwiebelringe?
Pommes
Inzwischen weder noch
17. Werden 6 Freunde das tun?
mal sehen
Es sind weniger Freunde geworden, leider. Gerade nach dem Umzug ist vieles leise eingschlafen.
18. Kinder?
Nein
Und dabei bleibt es.
19. Lieblingsfarbe?
Grün Inzwischen Petrol oder Blau
20. Kannst Du pfeifen?
Auch auf den Fingern
Funktioniert noch
21. Wo wurdest Du geboren?
Niedersachsen
Daran ändert sich naturgemäß nichts mehr
22. Schon mal verhaftet worden?
Nein
Nein
23. Operationen?
Nein
Ja
24. Bist du religiös ?
Nein, aber ich glaube an gewisse Grundsätze, die es wohl auch in jeder guten Religion gibt
Die Grundsätze werden konturierter. Was ich auch wichtig finde
25. Duschen oder Baden?
Duschen
Duschen
26. Glücksspiel?
Nein
naja, zählt dazu, dass ich darauf setze, dass sich bei Ihm etwas ändert? Irgendwie fühlt es sich jedenfalls wie Glücksspiel mit einem hohen Einsatz an.
27. Bist Du ein guter Freund ?
Ich wäre es gern
Ich arbeite weiter darn
28. Gebrochene Knochen?
Nein
Nein
29. Wie viele Fernseher sind in Deinem Haus/Wohnung?
1
In dieser Wohnung gehört mir kein Fernseher
30. Schlimmste Schmerzen überhaupt?
Da kann ich zwischen mehreren wählen...
Sind leider noch welche dazu gekommen. Nervenschmerzen sind übrigens auch ziemlich übel
31. Tanzt Du gerne ?
Ja - aber nicht gut
Bin nicht besser - aber enthusiastischer geworden.
32. Magst Du campen?
Never
Immer noch nicht
33. Bist Du seltsam?
Da bin ich mir sicher
Inzwischen gibt es genug Beispiele und Zeugen: ich bin seltsam. Aber meist unterhaltsam
Einfach kopieren, einfügen und meine Antworten durch Deine ersetzen.
Bin gespannt

Wohnliche Weihnachtsüberraschung

 Seit August 2023 wohne ich nun in der großen Stadt. Damals war es ein beinah unmögliches Unterfangen hier eine Wohnung zu bekommen.

Zugegeben, ich war da auch etwas verwöhnt. Was ich aber damals nicht wusste.

Mitten auf dem Land wohnen, 65 m², 360 € incl. Strom, Heizung, Wasser etc. Nun gut, es war "etwas" abgelegen. Aber für Hundemenschen genau richtig. 

Nun hatte sich zwischenzeitlich einiges getan und ich wollte nun in die große Stadt. Und so lebensuntüchtig bin ich ja gar nicht. Daher also auch bereit auf Terasse, unabgeschlossene Haustüren und Vögelgesang am Morgen zu verzichten. Natürlich würde ich auch "etwas" mehr zahlen müssen. Auf Grund der anstehenden Gehaltserhöhung konnten das ruhig 100% mehr sein. Also bis zu 700 € warm  wäre völlig okay. Und damit sollte ich in einer guten Gegend doch sicher so 60m² bekommen können. Schließlich gab es einen sicheren Arbeitgeber im Hintergrund und bei Bedarf kann ich einen grundsoliden Eindruck hinterlassen. Also wenn ich mich anstrenge.

Insgesamt also: Leichtes Unterfangen. 

Böses Erwachen. Schon die ersten Suchversuche auf den bekannten Portalen ähnelten einem Realitätsschock wie ein Aufprall bei einem Fall aus dem 10. Stock. Himmel, was war da los. 20 m² für 800 € kalt. Und ich manche Gegenden möchte man als Frau nun auch nicht unbedingt ziehen.

Aus mir unerfindlichen Gründen, war ich dann doch mal dran mit der Glücksfee (wenn es schon beim Lotto nie klappt). Über Ebay Kleinanzeigen habe ich meine jetzige Wohnung gefunden. Zur Untermiete für zunächst 1 Jahr. Der eigentliche Mieter hat ein Haus in Thailand und möchte dort ganzjährig leben, die Wohnung in der großen Stadt aber nicht aufgeben. Und wenn alles gut läuft, könnte ich die Wohnung auch ganz übernehmen. Kosten: 1300 € warm für 68 m². Ein Glücksgriff, vor allem bei der Lage:





Ein toller Ausblick auf die Elbe. Wobei ich den Blick durch die Eingangshalle gegenüber besonders mag. Es ist wie ein Bilderrahmen, durch den ich die Elbe, Fähren, Container- oder Kreuzfahrtschiffe sehen kann. Gerade auch am Abend wunderhübsch.

Als mein Vermieter mir im Mai mitteilte, dass er wirklich nie wieder in Hamburg leben wollte, war ich dem entsprechend begeistert. Mein Arbeitsweg mit dem ÖPNV sind ca. 22 Minuten, also ganz easy. Einkaufen, hier mal in der Bar an der Ecke in der Sonne sitzen. Ich fühle mich wohl hier.

Dem geneigten Leser wird nun langsam ein unheildrohendes "Aber" im Hinterkopf aufblinken. 
Leider zu Recht.

Im November war mein Vermieter bei Freunden zu Gast, weil er zwei Ops hier in D terminiert hatte. Ging auch alles gut, nur zwei Tage vor dem Heimflug erlitt er einen Herzinfarkt. Nachdem er erfolgreich operiert wurde, hat er mir am zweiten Weihnachtsfeiertag dann leider doch die Kündigung geben müssen. Er muss in der großen Stadt bleiben, darf nicht zurück nach Thailand.

Seitdem suche ich wieder - und es ist noch irrer geworden. Für 17m² werden 900 € verlangt und das ist nicht die allerbeste Lage oder ein Luxusheim. Ganz abgesehen davon, dass man auch da erst einmal einen Besichtigungstermin bekommen muss. Es ist beängstigend, dass sich so gar nichts tut. 
Der Liebste ist da mein Fels, er ist sicher, wir schaffen das.
Aber mir brennt der Boden unter den Füßen.

Ganz abgesehen von den Kosten. Als ich in diese Wohnung gezogen bin, habe ich geschätzt 80% meine Wohnungseinrichtung weg gegeben oder in den Sperrmüll getan. Einerseits weil es kurz vorher in der alten Wohnung noch einen Wasserschaden gab und vor allem, weil diese Wohnung ja komplett ausgestattet ist.
Nun muss ich nicht nur auf einem quasi nicht existenten Wohnungsmarkt (also für meine finanziellen Verhältnisse) eine Unterkunft finden sondern auch noch ordentlich Geld in die Hand nehmen für Bett, Tisch und Stühle usw. So ganz fürchterlich begeistert bin ich momentan nicht.

Drücken Sie mir Daumen







Mittwoch, 3. Juli 2024

Entzug

 Es kommt mir vor wie in der Zeit, als ich bewusst auf Zucker verzichtet habe. Erst da wurde mir bewusst, wie ich "den Stoff" gesucht habe und so geplant habe, dass ich ihn auch bekomme.

Nun ist Er weg. Kreuzfahrt mit Frau.

Die Erholung, die Eindrücke, Landschaften und die neue Luft wünsche ich ihm. Aber ich merke, wie mein Herz fällt. In eine Tiefe, deren Boden ich nicht erkennen kann. Und mit jedem Tag fällt es schwerer.

Ich merke aber auch, dass es sich so anfühlt, als ob ich wieder klarer sehen kann. Als ob seine fehlende Präsenz in meinem Leben auch gleichzeitig mein Hirn entnebelt. Als sei es auf Entzug.

Und ich begreife, dass ich nur die Zweitbesetzung bin. Nicht so angenehm der Gedanke. Daher denke ich mich schnell davon weg.

Denn der Gedanke an das was ich fühle, wenn seine Hand in meinem Nacken ist, seine Fingen an meinen Nippeln, seine Stimme in meinem Ohr ist zu verführerisch. Diese unglaubliche Ruhe in meinem Kopf, wenn ich nach der Züchtigung mit dem Kopf auf seinem Brustkorb zum Klang seines Herzens einschlafe. Wohl geborgen zu sein, auch in seinem *ich liebe dich*.

Drogen sind verführerisch

Sonntag, 23. Juni 2024

Spiegelschwester

 Eine spannende und erholsame Woche an der Nordsee liegt hinter mir. Nach etwa 7 Jahren habe ich meine Schwester wieder gesehen . Wir hatten zwischenzeitlich sporadisch Kontakt, haben telefoniert oder über Whatsapp kommuniziert. Und so haben wir uns begleitet bei ihrer Scheidung, meiner OP, unseren Umzügen und allen wesentlichen Schicksalspunkten. Wie das bei Familie so ist, wenn man nicht ganz so eng miteinander ist. 

Jetzt hatte ich das erste Mal seit ungefähr 25 Jahren Urlaub. Also "richtigen" Urlaub. Kein Seminar, keine Fahrt zu einer Hundeprüfung, Veranstaltung oder ähnlichem. Nur ich und das Meer.
Vorab hatte ich mir tatsächlich Gedanken gemacht, was ich die ganze Zeit anstellen sollte. Meine Schwester und ich hatten einmal überlegt, dass ich in ihrem Gästezimmer schlafe, aber vorsichtshalber habe ich mir lieber eine Ferienwohnung gebucht. Richtige Entscheidung übrigens.

Meine Vermutung war, dass wir uns in der Woche vielleicht so zwei Abende sehen, weil ich ihre Reaktion auf meine Urlaubsplanungen nicht besonders enthusiastisch empfunden hatte. Daher war ich überrascht, dass sie direkt für Freitag Abend ein Treffen vereinbarte. Und auch in der  restlichen Zeit haben wir uns jeden Tag gesehen. 

Es hat gedauert, bis wir uns näher gekommen sind. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bis vor ein paar Jahren, war mir körperlicher Kontakt mit anderen Menschen unangenehm. Also ein Umarmen oder eine Hand auf meinem Arm. Dem bin ich ausgewichen, so gut ich konnte. Und das konnte ich gut. Wegdrehen, kurz unauffällig nach hinten gehen, beiläufig etwas aufheben - Hauptsache aus der Situation raus. Zwischenzeitlich habe ich gelernt das zu können und bei den richtigen Menschen auch zu genießen. Mittlerweile kann ich das selber - also Menschen umarmen. Ich finde, das war ein großer Schritt für mich, eine Entwicklung, auf die ich stolz bin. 

Und nun sehe ich meine Schwester, die dasselbe macht, wie ich früher. Die unauffällig dafür sorgt, dass sie keiner umarmt. Daher kündige ich ihr einen Tag später an, dass ich das tun werde, sie umarmen. Und sehe in ihrem Gesicht, dass sie es zulässt, aber nicht mehr. Sehe sie wie mein Spiegelbild vor ein paar Jahren. Das beschäftigt meine Gedanken in den nächsten Tagen. Wie sehr unsere Kindheit uns einen gemeinsamen Stempel aufgedrückt hat. Den ich besser erkenne, wenn ich sie ansehe, weil ich es dann mit einer gewissen Distanz tun kann. Es ist nicht so schmerzhaft nah, als wenn ich mich selber ansehe. Wir haben einiges gemeinsam, dass mich immer noch beeinflusst. Einiges konnte ich hinter mir lassen. Etwas, dass mich lächeln lässt.


Am Ende der Woche ist es übrigens meine Schwester, die mich überraschend mit einer Umarmung verabschiedet. Und ich kann es schön finden.




You need a hug


https://youtube.com/shorts/Z6865fEpnmI?si=WI9sAhtViWC8L03f