Mittwoch, 30. August 2017

Hallo Vater

"Hallo Vater" wäre eine angemessene / logische / entspannte Begrüßung gewesen. Aber nach etwa 18 Jahren *Nicht-Kennen* war meine Befangenheit dafür wohl zu groß.

Ein paar Monate vor meinem 18. Geburtstag sprach mich mein Stiefvater an, dass ich etwas unterschreiben müsse. Legte mir Formulare vor und zeigte auf die gestrichelte Linie für die Unterschrift. Legte den Stift daneben und erwartete, dass ich ohne Nachfragen unterschrieb, was er mir da so vorlegte.

Auf Grund meiner Leseleidenschaft kann ich recht schnell lesen (funktioniert übrigens auch Über-Kopf prima :-) ) und hatte schneller als er erwartet hatte, herausgefunden um was es ging.

Bislang hatte mein biologischer Vater den Unterhalt auf Grund eines Gerichtsurteils (aha, freiwillig war das also auch nicht) auf das Konto der Erziehungsberechtigten überwiesen. Nun, mit Beginn meiner Volljährigkeit, brauchte es meinen Antrag und Unterschrift, damit das weiter so passierte.

Und mit diesem Antrag hatte ich endlich einen Namen und eine Anschrift.

Etwa einen Monat später hatte ich genug Mut gesammelt, meinem bV einen Brief zu schreiben. Allein hätte ich diesen Entschluss wohl nie gefasst, vor lauter Angst vor einer direkten Zurückweisung. Mut zugesprochen haben mir damals meine Freunde-Ersatzeltern, die mir immer wieder das Gefühl geben konnte, doch eine gewisse Existenzberechtigung zu haben. Ohne diese Beiden hätte ich wohl nicht überlebt.

Nach dem Einwurf in den Postkasten begann die Warterei und es dauerte auch wirklich knapp 2 Wochen, bis ich eine Antwort erhielt. Zurückhaltend, etwas geschäftsmäßig, neutral und die Emotionalität könnte wohl am Besten mit *Grau* beschrieben werden.

Ich hatte bislang von meiner Mutter nicht viele Informationen über meinen Vater bekommen und hatte dem entsprechend viele Fragen. Auch er schien einige Fragen zu haben und so verabredeten wir uns schließlich zu einem Wochenendbesuch. Federführend war bei diesen Kontakten seine zweite Frau G., die immer offen und sympathisch auf meine Anrufe und Briefe reagierte.

So fuhr ich an einem Samstag Morgen mit bangem Herzen mit dem Zug in seine Stadt. Ich hatte keine Ahnung wie ich reagieren sollte, wenn mein Vater mich umarmen wollte oder wie ich reagieren würde, wenn er es nicht tat. Würde er mich liebenswert nett finden oder dieses Treffen schon nach einem Blick bedauern?

Wie bei vielen anderen Menschen wohl auch, gibt mir angemessene Kleidung in solchen Momenten zumindest ein kleines Maß an Sicherheit und so hatte ich mich an dem Tag in meine besten Tagesklamotten geworfen. Und das war wohl auch ganz gut so, denn allein die hohen elektrischen Eingangstore vor der Stadtvilla hatten in dem Moment etwas Einschüchterndes.

Im Haus begegnete ich zuerst G., die mich herzlich empfing und zu meinem Apartment brachte. Erst danach fand die *Zusammenkunft* statt und jegliche Befürchtungen bezüglich einer emotionalen Begegnung konnte ich sofort vergessen. Mein Vater gab mir die Hand, erkundigte sich höflich nach meiner Reise und entschuldigte sich nach ca. 15 Minuten mit dringenden Geschäften. An diesem Wochenende habe ich ihn dann noch beim Abendessen, am nächsten Morgen beim Frühstück und schließlich beim Abschied gesehen. Es gab eine etwas längere Unterhaltung, die G. organisiert hatte und in deren Verlauf er mir erzählte, dass seine erste Frau und er mich eigentlich adoptieren wollten, da sie keine Kinder bekommen konnte. Ähnliches hatten sie etwa 10 Jahre vorher schon mit meiner älteren Halbschwester getan, die in der Nachbarschaft wohnte, die ich aber nie kennen gelernt habe.

Wieder Zuhause angekommen habe ich meinem Vater einen Brief geschrieben

tbc


Kommentare:

  1. und jetzt? abschließen oder dran bleiben.

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  2. Zweiter Teil ist in Arbeit.
    Wollte nur nicht zu lang schreiben und Leser langweilen.

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  3. Du langweilst uns nie. Ich freue mich auf den zweiten Teil. Und hoffe auf... eine angenehme, schöne Wendung.

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