Sonntag, 13. August 2017

Nebenjobs

Bevor ich *richtig erwachsen und richtig berufstätig wurde* habe ich eine ganze Menge Nebenjobs gehabt.

So ab meinem 14. Geburtstag habe ich mir dadurch erst etwas Taschengeld und nachher die Kosten für das Studium verdient. Manchmal etwas bizarr, aber meistens sehr lustig.

Die ersten Jobs waren die gängigen Klassiker: 

Einkaufen gehen 

Hunde ausführen

Zeitung austragen

Vorleserin bei einer blinden Dame

Kleine Kinder vom Rad schubsen (ähm, Babysitten)
es hat sich schnell heraus gestellt, dass ich da wohl eine Fehlbesetzung bin, höflich ausgedrückt ^ ^

Primeln bestäuben
Ernsthaft, Sie gehen mit einem kleinen feinen Pinsel von einer Spenderblüte zum Stempel j e d e r einzelnen verflixten Blüte in einem riesigen Gewächshaus. Und Sie dachten, das wäre alles Natur? Die dürfen auch nicht mit jedem und so wie sie wollen. 
Nach dem Job haben Sie kein Problem mehr mit stupiden Arbeiten, denken Sie (noch).
Ach ja, nach ein paar Tagen ertappen Sie sich dabei, wie Sie bei dem Job leise vor sich hinsummen. Zeit etwas anderes anzufangen.


Erdbeeren pflücken
Es gab riesige Erdbeerfelder um uns herum und damals war es noch nicht üblich aus dem Ausland billige Erntehelfer zu engagieren. Also verbringen Sie die nächsten 4-6 Wochen in gebückter Haltung und schauen sich permanent ihre Schuhe an. Kein Wunder, dass ein großer Teil des Lohns (damals 50 Cent pro 2,5 kg Korb) in neuen Schuhen angelegt wird. Unter anderem rosa Wildlederpumps, absolute Lieblingsteile
Und Sie lernen, sich stundenlang zu bücken. Hat auch Vorteile

Erdbeeren verkaufen
In den folgenden Jahren erfolgte eine rasche Karriere im landwirtschaftlichen Sektor. Auf Grund erwiesener Zuverlässigkeit und Begeisterung für das Produkt (dazu reicht es im nächsten Jahr wieder dort aufzutauchen und nach einem Job zu fragen) wurde ich in die Verkaufsbude befördert. Schult den Kundenkontakt und fördert Fremdsprachenkenntnisse (dass "Ich hätte gern ein Schälchen Erdbeeren" im rheinischen Dialekt so viele Formen haben kann ...)
Die ersten Süchtigen tauchen morgens um 07.00 Uhr auf und der Stand wird um 18.00 Uhr geschlossen. 
Das gab eine Menge Kohle, die wiederum begeistert in Bücher, Schuhe und dann auch in den ersten Urlaub mit Freund investiert wurde.

Medikamente ausfahren
Die neue Apotheke im Ort brauchte regenfeste Fahrradboten. Beworben und danach über 4 Jahre nach der Schule jeden Tag Medikamentenbestellungen ausgeliefert. Erstaunlich wie wenig mir damals Regen, Schnee oder Kälte ausgemacht haben. Allerdings war ich gedopt, meistens habe ich zwei Schlittenhunde dabei gehabt, die ich bei der Gelegenheit ausgeführt habe. Das gibt ordentlich Speed :-)

Wäscherei
Kurzes Gastspiel, nach 2 Wochen hatte meine Begeisterung Handtücher zusammen zu legen, stark nachgelassen. Neuen Job gesucht und gefunden

Seidenweberei
Hier beginnt meine Vorliebe für schöne Krawatten und gut gekleidete Gentlemen (ist für mich noch einmal ein Unterschied zu *gut gekleideten Herren*, Thema für einen anderen Blogbeitrag)
Die Manufaktur webte nach eigenen Entwürfen Seidenstoffe, die entweder zu Krawatten oder Seidentüchern verarbeitet wurden. Aber es gab auch Polyesterkrawatten im CD für Hunderte Sparkassenangestellte oder den TÜV. 
Alles wurde einzeln in Schachteln oder Tüten verpackt. Verantwortungsvoller Job ;-) Aber tolle Kollegen!

Telefon
Nun ja, hier ist er, der Job, der unter *sie brauchten das Geld und wussten nicht, was sie tun* fällt.
Gerade 18 geworden, stand ich mit einer Freundin vor dem Problem in kurzer Zeit genügend Geld für den Urlaub zu verdienen. 
Und ich schwöre, es war ihre Idee! 
Jedenfalls haben wir uns beide auf eine Anzeige gemeldet, in der für eine Telefonhotline junge Frauen gesucht wurden, die sich mit "einsamen" Männern unterhalten. (In der Anzeige haben die Anführungszeichen natürlich gefehlt, aber vermutlich haben die Verantwortlichen auch nicht mit so Naivlingen wie uns gerechnet)
Ok, jetzt bin ich auch schlauer. 
Aber damals habe ich das geglaubt. 
So circa 15 Sekunden lang. Dann nie wieder
Kürzester Job von allen. 15 Sekunden

Lotto Annahmestelle und Zeitungskiosk
Kleiner Vorortkiosk, vollgestopft mit allem, was die Nachbarschaft brauchen konnte. Zigaretten, Tabak, Flachmänner, Feuerzeuge, Schreibhefte, Schultüten, Schulbuchbestellungen, Tchibo Nonfood Artikel, Weihnachtsschmuck, Brötchen, Schmuck, Lotto Annahmestelle (aber nur unter Aufsicht, die Lottozentrale vergab die Lizenzen nur an geprüfte Verkäufer, die auch zwingend Fortbildungen besuchen mussten. Was man nicht alles bei solchen Jobs lernt)
Vielfältig und hektisch. Aber auch traurig, wenn Dauerspieler und Alkoholabhängige zu bekannten Gesichtern wurden


Schreibkraft bei einem Anwalt
Während des Studiums eine gute Lehre, wie gut es mir in einer Demokratie geht. Der Anwalt war auf Asylgesuche spezialisiert. Nicht die Fachrichtung, mit der man am meisten Geld verdient, aber er war einer von denen, die den Job aus Berufung machten. Und viel zu viel arbeitete, weil er großen Zulauf hatte. Während der Tipperei nebenbei einiges von den Schicksalen und Hintergründen erfahren. Und seitdem bin ich voller Hochachtung, was manche Menschen auf sich nehmen, um ihren Kindern eine sichere Zukunft ermöglichen zu können oder wie weit sie ihr eigenes Leben riskieren, um für eine Demokratie in ihrem Ursprungsland zu kämpfen. Wie unglaublich weit Regime gehen, um ganze Bevölkerungsgruppen nur auf Grund ihrer Religion oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit zu vernichten. 


Pressegrossist 
Genialer Job. Gehört in die TOP 3. Begonnen in der Remittenden Abteilung. Dort werden die Zeitungen und Zeitschriften erfasst, die die Einzelhändler zurückgeben. Alles was bis zu einem bestimmten Datum nicht verkauft wird, kann gegen Erstattung des Einkaufspreises wieder zurück geschickt werden.
Ein Traum für jeden Lesejunkie. Und ein Einblick in die teilweise bizarre Welt der Fachzeitschriften und damit meine ich nicht nur den Erotikbereich. Die können sich hinter mancher Angelzeitschrift verstecken.
Danach im firmeneigenen Pressehaus gejobbt, ca. 3.000 verschiedene nationale und internationale Zeitungen und Zeitschriften - herrlich. Dazu noch einmal ein zweites Stockwerk mit Comics und Mangas.
Dort der unabsichtlich anzüglichste Satz im Berufsleben: 
1,60 m großer Mann versucht an einen Comic in der oberen Regalreihe zu kommen. Eifrige Aushilfe: "Ich hole Ihnen gerne einen runter"
japp, Abgang mit hochrotem Kopf, aber kichernd

Später in der Verwaltung beim Eigentümer gearbeitet und ernsthaft darüber nachgedacht, dort ganz einzusteigen.


Aushilfe im Vorstandsbüro Energieversorger
Cooler Job, ebenfalls TOP 3. 
In den ersten zwei Jahren in den Semesterferien reihum in einem von vier Vorstandsbereiche eine der drei Sekretärinnen vertreten. Die hatten ordentlich zu tun, vor allem mit dem Chef. Wenn der sich nicht über einen seiner drei Mitvorstände aufregte, dann über sein Sekretariat.
Da ich auf den Job nicht lebensnotwendig angewiesen war, konnte ich locker genug kontern. Irgendwie hat das gefallen und ich hatte einen festen und vor allem extrem gut bezahlten Ferienjob. Und einen Chef, der es mochte, wenn jemand dabei war, der ihm mit Humor begegnete und ihn als Mensch mochte. Hat mich im Gegensatz zu seinen festen Mitarbeitern nicht einmal angeschrien und gehört zu meinen Lieblingschefs. 
Als Studentin musste ich keine Abgaben zahlen und konnte in den drei Monaten genug für das ganze Jahr verdienen.
Wurde noch besser, als ich die Betreuung der ausländischen Politikerdelegationen übernahm. 
Firmenwagen (den ersten habe ich tatsächlich geschrottet, beim Abbiegen auf einen parkenden Wagen aufgefahren. Und während ich in der Wohnung des Besitzers mit der Firma wegen der Versicherung und eines Ersatzwagens telefoniere, kracht es schon wieder. Ein zweiter Wagen ist in denselben Wagen gekracht. Was beweist, dass ich gar nicht schuld war, sondern der Wagen einfach zu gut getarnt war. Oder so)
Weiterbildung in Kunst und Kultur. Ich war auch beim Abendprogramm dabei, Ausflüge zu Ausstellungen, Opernaufführungen, Museumsführungen, Rhein-/Weser-/Moselfahrten, Fahrten mit Dampfloks, Doppeldeckerbussen, Kutschen oder Schwebebahnen, Führungen durch E-Werke, Staudämme und Zulieferfirmen. 
Besuche in Landtagen und anschließende Ausflüge ins Nachtleben. Das Attribut *bemerkenswert* verdient der Besuch des Kölner Karnevals mit einer russischen Delegation. 
Viel gelernt und gelacht. 

Waren noch nicht alle Jobs, tbc






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