Mittwoch, 9. August 2017

Weihnachtsmann und Vater

In der Kindheit verliert man unweigerlich nach und nach den Glauben an den Weihnachtsmann, Osterhasen und den Nikolaus. Je nachdem, wer einem die Illusion nimmt, kann das sehr fröhlich oder auch mit einem gewissen Unglauben passieren.

Um es bei mir nicht ganz so langweilig zu machen (Sarkasmus Begabte sprechen hier von einem "Extra-Bonus"), hatten meine Eltern noch eine besondere Überraschung für mich.

Ich war vermutlich 7 oder 8 Jahre alt, als ich mit meiner Schwester nachts zusammen in meinem Bett lag, während mein Stiefvater und meine Mutter stritten. Die gegenseitige Nähe gab uns etwas Sicherheit, so konnten wir uns im Dunkeln aneinander festhalten und zusammen darauf warten, dass es wieder ruhiger wurde.

In dieser Nacht riss jedoch unser Stiefvater die Tür auf, stand plötzlich vor meinem Bett, griff nach meinem Arm und schliff mich wortlos über den Boden bis vor meine Mutter. 

"Und jetzt entschuldigst du dich auf Knien bei deiner Mutter, dass du ihr Leben verpfuscht hast!"

Dann ist erst einmal ganz lange Pause und das nächste, woran ich mich erinnere, ist meine Mutter, die mir gegenüber sitzt. Und mir dann erklärt (jetzt kommt die Sache mit dem Beinah-Weihnachtsmann), dass mein Vater gar nicht mein Vater sei. Ich einen anderen Vater als meine Schwester hätte, mein Stiefvater im Übrigen der Ansicht sei, dass uneheliche Kinder von Geburt an moralisch verworfen sind (das ist doch mal eine moderne Form der Erbsünde oder?).

In den nächsten 8 Jahren wurde über dieses Thema nie wieder gesprochen. 

Aber ab dem Tag besuchte nur noch meine Schwester den Mann, den ich als Vater kennen gelernt hatte. Mich wollte er nicht mehr sehen.




6 Kommentare:

  1. da fehlen mir dann die worte....und ich hoffe sie haben das irgendwie verarbeitet..und tun es gerade...

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    1. Sie haben da ziemlich den Punkt getroffen. Mir haben über Jahre hinweg die Worte gefehlt. Selbst dieser recht harmlose Anfang kam mir nicht über die Lippen. Schreiben ist da eine Möglichkeit mit Worten mehr Macht über die Erinnerung zu haben?

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    2. schreiben fordert dazu auf, sich natürlich die erinnerungen wieder wach zu rütteln, und zum anderen fängt man an sich damit auseinanderzusetzen...dazwischen liegen jahre und man hat sich weiterentwickelt und hat nun die möglichkeit die dinge anders reflektieren zu lassen...ich glaube schon dass es hilft. ich wünsche es ihnen!

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    3. Danke für die guten Wünsche! Zur Zeit scheint es der richtige Weg zu sein

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  2. Immer wieder erschreckend zu lesen, was für Idio... ähm... Menschen Verantwortung für eine Kinderseele tragen. Man drückt ihnen etwas so Zerbrechliches in die Hand und sie haben keine Ahnung, was sie damit anfangen sollen. :(

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    1. Ich befürchte, er wusste genau, was er tat.
      Und hat das auch mit mit Überlegung durch gezogen

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